Kabinett beschließt neues Bürgergeld

Lohnt es sich da überhaupt noch, arbeiten zu gehen? - Wir haben nachgerechnet!

"Wollen Menschen dauerhaft in Arbeit bringen" Heil zu Bürgergeld
13:13 min
Heil zu Bürgergeld
"Wollen Menschen dauerhaft in Arbeit bringen"

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Das Bundeskabinett hat grünes Licht für die Einführung des Bürgergelds in Deutschland gegeben. Es soll zum 1. Januar das heutige Hartz-IV-System ablösen. Kritiker bemängeln vor allem, dass durch den Wegfall von Sanktionen und höheren Regelsätzen der Anreiz wegfällt, arbeiten zu gehen. Aber stimmt das? Wir haben nachgerechnet.

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Rechnung für Bürgergeld als Alleinstehender

ARCHIV - 06.04.2022, Berlin: Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, sitzt bei einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in einem Besprechungsraum im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Vor dem Kabinettsbeschlus
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) weist den Vorwurf zurück, das geplante Bürgergeld der Bundesregierung dämpfe Anreize zur Arbeit. Es mache auch künftig immer noch einen Unterschied, ob jemand arbeite oder Sozialleistungen beziehe, sagte Heil am Mittwoch im Deutschlandfunk.
bvj pil wst cul jai, dpa, Bernd von Jutrczenka

Zum 1. Januar sollen die Regelsätze der Grundsicherung für Alleinstehende auf 502 Euro steigen. Aber was kommt am Ende tatsächlich raus? Kann man von dem neuen Bürgergeld am Ende genauso gut leben, wie von einem geringen Einkommen? Wir haben beim Deutschen Institut für Wirtschaft nachgefragt:

Einkommen mit Bürgergeld:

502 Euro (Regelsatz ab 01.01.2023)
+ 426 Euro (Mietzuschuss / Höchstwert für Einpersonenhaushalt in Berlin)
+ ca. 70 Euro (Heizkostenzuschuss, demnächst vermutlich deutlich mehr)
________________________________________
= ca. 1.000 Euro

Da man auf Hartz IV und das neue Bürgergeld keine Einkommenssteuern zahlen muss, ist hier das Bruttoeinkommen gleich dem Nettoeinkommen.

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Rechnung für Einkommen als Geringverdiener

Geht man stattdessen einem Job nach, der nach Mindestlohn (12 Euro pro Stunde) bezahlt wird, ergibt sich folgende Rechnung:

Einkommen mit Mindestlohn:

12 Euro x 39h pro Woche
= 468 Euro x 4 Wochen
_________________
= 2.040 brutto

Auf ein reguläres Einkommen müssen – anders als beim Bürgergeld – noch Steuern gezahlt werden, sodass sich folgendes Nettogehalt ergibt:

2.040 brutto = 1.470 netto

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Die Ergebnisse der Umfrage sind nicht repräsentativ.

Differenz von 470 Euro zwischen Bürgergeld und Geringverdiener-Job

Vergleicht man also das monatliche Einkommen als Bürgergeld-Empfänger mit dem Gehalt eines Geringverdieners ergibt sich ein Unterschied von rund 470 Euro. Hinzu kommt, dass Geringverdiener die Möglichkeit haben, zusätzliche Unterstützungen, wie etwa Wohngeld, zu beantragen. Allerdings müssen vom monatlichen Gehalt dann auch eventuell Sprit oder das Bahnticket zur Arbeit bezahlt werden. Kosten, die als Bürgergeldempfänger wegfallen.

Trotzdem: Ehrliche Arbeit lohnt sich immer! Und sei es, um eine Beschäftigung zu haben.

VIDEO: "Diejenigen, die arbeiten gehen, sollten mehr haben!"

Berlin-Korrespondent Christian Wilp erklärt, warum das neue Bürgergeld auch in der Kritik steht.

"Diejenigen, die arbeiten gehen, sollten mehr haben!" Berlin-Korrespondent Wilp zu Bürgergeld
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Berlin-Korrespondent Wilp zu Bürgergeld
"Diejenigen, die arbeiten gehen, sollten mehr haben!"

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