Digitale Behördengänge

Bürger fordern bessere Online- Angebote

Deutschland verpennt Digital-Ausbau der Behörden
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16. Oktober 2020 - 13:30 Uhr

Analog statt digital

Vermutlich ist so ein Behördengang eines der nervigsten Dinge, denen wir uns immer wieder widmen müssen. Wie angenehm es da doch wäre, wenn Behördengänge einfach von zu Hause via Smartphone erledigt werden könnten. Doch für Passverlängerungen oder Ummeldungen ist in den meisten Kommunen immer noch der analoge Amtsgang erforderlich. Der Branchenverband "Bitkom" fordert schnelles Handeln.

Ein Behördengang dauert im Schnitt 148 Minuten

Der Gang zum Amt kostet jeden Bürger im Schnitt mehr als zwei Stunden. Das geht aus einer neuen Studie des Branchenverbands für Digitalisierung "Bitkom" hervor, für die 1.000 Menschen befragt wurden. Bei Passverlängerung, Ummeldungen oder anderen Behördengängen entfallen dabei rund 59 Minuten auf An-und Abreise und 64 Minuten auf das Warten. Der eigentliche Behördengang kostet mit knapp 25 Minuten am wenigsten Zeit. Dabei könnte diese Zeit eingespart werden, wenn die Ämter und Behörden ihre digitalen Angebote schneller und effizienter ausbauen würden. Bürgerinnen und Bürger könnten so ganz bequem von der Couch aus ihren Pass verlängern oder ihr Auto ummelden- Ohne nervige Wartezeiten und langer Terminsuche im Voraus. Für 52 Prozent der Befragten ist klar: Die meisten Verwaltungsangelegenheiten könnte man problemlos online erledigen.

Analoger Behördengang nicht zeitgemäß

"Bitkom"- Chef Bernhard Rohleder kritisiert, dass die meisten Amtsgänge in Deutschland nicht digital erledigt werden können und mahnt: "Es kann nicht sein, dass Menschen Urlaub nehmen müssen, nur um einen schlichten Verwaltungsvorgang anzustoßen." Seine Forderung: "Ziel muss sein, ohne Ausnahme alle Verwaltungsleistungen in Bund, Ländern, Gemeinden und nachgeordneten Behörden digital anzubieten", so Rohleder. In Zeiten der Pandemie sei es im Sinne der Kontaktreduzierungen umso wichtiger, dass Menschen Behördengänge unkompliziert von zu Hause aus erledigen können. Alles andere sei nicht zeitgemäß.

Trotz der schleppenden Digitalisierung von Behörden, tut sich was bei den Ämtern: Seit Ausbruch der Corona-Pandemie haben knapp die Hälfte der Ämter in Deutschland neue digitale Angebote für Bürgerinnen und Bürger eingeführt. Jeder Fünfte der 1.000 Befragten hätte diese neuen Möglichkeiten auch schon genutzt. Doch der Großteil eben noch nicht. Laut Bitkom läge das vor allem daran, dass die Bürgerinnen und Bürger gar nicht wissen, dass sie in ihrer Stadt einige Amtsgänge schon online erledigen können. Hier müssen die Kommunen offensiver kommunizieren, meint "Bitkom".

Welche Behördengänge digitalisiert werden könnten

Bei der Digitalisierung von Amtsgängen denken viele erst einmal an Passverlängerung oder die Beantragung eines neuen Ausweisdokuments. Aber wie wäre es beispielsweise damit, Kindergeld online beantragen zu können? Oder einen Kita-Platz? Bitkom-Chef Rohleder sieht hier noch viel Luft nach oben: "Wer in Deutschland ein Kind bekommt, muss anschließend viel Geduld für Routineleistungen der Verwaltung aufbringen. Statt verschiedener komplizierter Anmeldeverfahren brauchen wir antragslose Prozesse und zentrale Portale für die Vergabe von Kita- und Schulplätzen."

Auch ein digitales Bürgerkonto, in dem die Menschen ganz bequem online ihre Stammdaten wie Wohnsitz oder Familienstand ändern können, brachte die Studie ins Spiel- 82 Prozent der Befragten finden das eine gute Idee.

Vertrauen in Kommunen hoch

Der Großteil der Bürgerinnen und Bürger vertraut den Kommunen, dass diese schon bald effiziente und sichere Online-Services anbieten. Diesem Vertrauensvorschuss müssten die Rathäuser jetzt gerecht werden, fordert der Bitkom-Chef. Wie sich Deutschland im europäischen Vergleich schlägt, lesen Sie hier.