Bücher in Quarantäne: Bibliotheken nach der Zwangspause

13. Juni 2020 - 10:00 Uhr

Wer sich in der Bücherei ein Buch ausleihen möchte, riskiert Experten zufolge nicht gleich eine Corona-Infektion. Es sei kein nachgewiesener Fall bekannt, bei dem sich Menschen durch Kontakt mit Gegenständen infiziert hätten, meint etwa das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). In Rheinland-Pfalz kommen Bücher meist nach ihrer Rückgabe zunächst etwa 72 Stunden lang in Quarantäne, wie Bibliotheken der Deutschen Presse-Agentur mitteilten. Erst danach stünden sie wieder zur Ausleihe bereit.

"Unsere Medien werden nach der Rückgabe abgewaschen und am nächsten Tag ins Regal zurückgestellt - somit sind sie von außen keimfrei", sagte Ines Arnold von der Stadtbücherei LUDWIGSHAFEN. Wer ganz sicher sein möchte, könne die Bücher nach dem Ausleihen noch zwei Tage liegen lassen, bevor mit dem Lesen begonnen wird. "Die Gegenstände, die wir aus unserer "Bibliothek der Dinge" verleihen, kommen für drei Tage in Quarantäne", meinte Arnold. Die sonst übliche interne Ausleihe von Notebooks und Tablets sei derzeit nicht möglich.

"In der Stadtbibliothek IDAR-OBERSTEIN werden die Bücher ebenfalls drei Tage gelagert, bevor sie wieder einsortiert werden", sagte Sprecherin Sandra Ley. Die Bibliothek sei etwas schwächer besucht als sonst. "Das liegt sicher auch daran, dass das Lesecafé weiterhin gesperrt ist und nur ein Internetarbeitsplatz freigegeben wurde."

"Auch in der Stadtbücherei ZWEIBRÜCKEN verweilen Bücher und andere Medien in dreitägiger Quarantäne", sagte Leiterin Roswitha Christian. Dies wirke sich negativ auf die Arbeitsabläufe aus. "Wir haben deshalb und bedingt durch mehrere Mitarbeiter, die zur Risikogruppe gehören, seit dem 28. April eingeschränkt geöffnet." Die Disziplin mit Mundschutz und Abstandseinhaltung sei sehr groß. "Wir bleiben vorsichtig zum Schutz der Mitarbeiter und Leser", betonte Christian.

"Wir halten es auch so", sagte Manfred Kottmann von der Bibliothek der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung in BITBURG. "Leser legen die Bücher im Eingangsbereich in Kisten. Dann kommen die Bücher drei Tage in den Keller, bis die Verbuchung erfolgt." Einige Menschen würden sich wegen Corona beim Ausleihen von Büchern, die vorher andere Leser hatten, unwohl fühlen, meinte der Diplom-Bibliothekar. "Die meisten haben aber Gott sei Dank keine Bedenken - vor allem, wenn sie sehen, dass alle Hygienevorschriften eingehalten werden."

Auch in der Stadtbibliothek KAISERSLAUTERN verweilen zurückgegebene Bücher drei Tage in einem abgesperrten Bereich, bis sie einsortiert und erneut ausgeliehen werden können, wie Bürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) mitteilte. Seit der Wiedereröffnung nach der Zwangspause habe sich der Betrieb in der pfälzischen Stadt wieder eingependelt.

"Insgesamt wird leicht weniger ausgeliehen als vor Corona", sagte Manfred Kottmann in BITBURG. Die Zahl der Neuanmeldungen sei aber leicht gestiegen. Ines Arnold in LUDWIGSHAFEN meinte: "Auf Grund der eingeschränkten Möglichkeit, sich in der Bibliothek aufzuhalten sowie der fehlenden Workshops, Clubs und sonstigen Treffen und Veranstaltungen ist das Interesse derzeit schwächer als sonst."

Ähnlich ist es in ZWEIBRÜCKEN. "Wir haben gerade dieser Tage die Benutzerstatistik für Mai mit dem vergangenen Jahr verglichen und verzeichnen einen Rückgang von 40 Prozent", sagte Leiterin Roswitha Christian. "Allerdings haben wir ja auch weniger Ausleihtage gehabt." Sie würde das Interesse an Büchern als groß bezeichnen - trotz allem.

Quelle: DPA