Nach Angriff auf lesbisches Paar in Pinneberg

"Jedes Mal, wenn wir unterwegs sind, haben wir immer noch Angst.“

20. Oktober 2020 - 15:51 Uhr

Brutaler Angriff, weil sie Händchen hielten

Nicole Eitel kommen nach einer Woche noch die Tränen, wenn sie in der Pinneberger Bahnhofsstraße steht. Nach einem Barbesuch am frühen Sonntagmorgen wird die 38-Jährige hier mit ihrer Freundin von drei Männern zusammengeschlagen, weil sie Händchen gehalten haben.

"Sie haben uns beleidigt mit: 'Scheiß Lesbe!' Wir haben uns dann gewehrt dementsprechend auch mit Wörtern und haben nur gesagt: 'Was wollt ihr? Lasst uns in Ruhe!'", berichtet ihre Partnerin Chantal Granitza immer noch aufgewühlt.

Wie das lesbische Paar über den Angriff spricht, sehen Sie im Video.

Pinneberger stärken homosexuellen Paaren den Rücken

Nach Angriff auf lesbisches Paar in Pinneberg
Auf der PinnePride in Pinneberg am Sonnabend, 17.10.20
© RTL Nord

Nach dieser homophoben Attacke gehen die Pinneberger am vergangenen Samstag zum "PinnePride", einer Demonstration für sexuelle Vielfalt und Gleichberechtigung, auf die Straße. Sie fordern Gleichberechtigung und wollen einander beistehen und vor allem wollen sie Nicole Eitel und ihrer Freundin Chantal Granitza den Rücken stärken.

"Wir müssen einfach zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind, dass wir einfach nur leben wollen", sagt ein homosexueller Demonstrant. Sein Partner ergänzt: "Die sollen uns einfach so akzeptieren wie wir sind."

150 Menschen jeden Alters wollen auf dem schon länger geplanten gemeinsamen Marsch vom Bahnhof zur Drostei ein Zeichen gegen Homophobie setzen. Die Veranstaltung läuft unter der Schirmherrschaft der parteilosen Bürgermeisterin Ute Steinberg: "Gewalt geht überhaupt nicht und wir müssen andern helfen, die so etwas erleben, denen müssen wir beistehen."

Täter sind noch nicht gefasst

Hinschauen und helfen, das hätten sich auch Nicole Eitel und ihre 32-jährige Freundin in der Nacht zum 11. Oktober gewünscht. Denn obwohl sie in der Nähe eines Taxistandes angegriffen wurden, kam ihnen kein Fahrer zu Hilfe.

Noch sind die unbekannten Täter flüchtig. "Jedes Mal, wenn wir unterwegs sind, haben wir immer noch Angst, wenn wir Leute sehen: Könnten die das gewesen sein. Also wir gucken schon immer rum und haben Angst, dass sie uns auffinden.", sagt Nicole Eitel voller Sorge.

Die Polizei sucht weiter nach den drei etwa 25-jährigen Angreifern.Wer Hinweise geben kann, soll sich bitte bei der Polizei melden.