Junge muss ins Gefängnis

Brutale Szenen: Polizisten legen behindertem Achtjährigen Handschellen an

Polizisten in Florida haben einem behinderten Achtjährigen Handschellen angelegt.
© Benjamin Crump / via Twitter

11. August 2020 - 14:37 Uhr

Bodycam-Aufnahmen zeigen unglaubliche Festnahme

Seine zarten Handgelenke sind für die großen Handschellen viel zu klein – doch für die Beamten scheint Gewalt der einzige Weg zu sein! Im US-Bundesstaat Florida haben Polizisten einen achtjährigen Jungen festgenommen, abgeführt und ins Gefängnis gebracht. Der Vorfall hat sich bereits 2018 ereignet. Jetzt gelangten Bodycam-Aufnahmen der Beamten an die Öffentlichkeit.

Irre Verhaftung statt individueller Förderung

Anwalt Benjamin Crump teilte die Aufnahmen der Verhaftung am späten Sonntagabend. Bisher wurden sie über zwei Millionen Mal abgerufen. Der Jurist erklärte, dass der Junge ein Schüler mit besonderen Bedürfnissen sei, der wegen seiner Behinderungen einen individuellen Bildungsplan brauche.

Doch statt den Jungen individuell zu fördern, betreute ihn eine Vertretungslehrerin, die nicht über seine Behinderung informiert war. Die Situation eskalierte: Die Lehrerin versuchte den Schüler mit ihren Händen gewaltsam zu bewegen. Als der Junge tobte, rief sie die Polizei. Doch statt dem Kind mit Förderbedarf zu helfen, drohten die Beamten mit Gefängnis und versuchten, ihm Handschellen anzulegen. Die Fesseln fielen immer wieder ab, weil seine fragilen Hände zu klein waren.

Beamte drängen sich in Opfer-Rolle

Rechtsanwalt Benjamin Crump betonte, dass der Vorfall ein Negativ-Beispiel dafür sei, wie die US-amerikanische Justiz bereits den Nachwuchs zu Kriminellen ausbildet, indem Behörden schon Kinder und Jugendliche wie Kriminelle behandeln. Der Clip zeigt auch, dass die Polizisten ihre Versuche, dem Jungen Handschellen anzulegen, schließlich stoppten und der Grundschüler, während er abgeführt wurde, seine Hände vor sich halten musste.

Aber nicht nur das: Sie rechtfertigten ihr brutales Vorgehen gegenüber dem Kind, indem sie sich in die Opfer-Rolle drängten. "Ich hasse es, dass du mich in die Position bringen musstest, um das zu tun", so einer der Beamten im Clip. "Die Sache ist, dass du einen Fehler gemacht hast. Jetzt ist es Zeit für dich, etwas darüber zu lernen und daraus zu wachsen, um denselben Fehler nicht noch einmal zu machen."

Junge sollte "richtig sitzen"

Der Vorfall hat sich bereits am 14. Dezember 2018 ereignet. Laut eines Polizeiberichts soll der Junge eine Lehrerin geschlagen haben. Diese hatte ihn in zuvor darum gebeten, "richtig zu sitzen". Das Kind soll der Erwachsenen gegen die Brust geschlagen haben, heißt es im Bericht. Nach der Festnahme wurde der Achtjährige ins Gefängnis gebracht, wo ihn seine Eltern abholen mussten.

Die Polizei der Stadt Key West bestätigte dem Sender "NBC News", dass sich die Behörde in keinem Rechtsstreit um die Maßnahme befinde und man nicht wisse, wie der Anwalt an das Video gelangt sei. Der Status des Strafverfahrens des Jungens ist unklar. Klar ist nur, dass der virale Clip millionenfach angesehen und von vielen US-Amerikanern kritisch kommentiert wurde. "Was ist mit Beratern, Sozialarbeitern oder Verhaltenstherapeuten?", fragt etwa ein Nutzer. Der Schulbezirk hat sich zu dem Vorfall bisher nicht geäußert.