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Brutale Prügel-Attacke nach Mobbing im Internet

Brutale Prügel-Attacke nach Mobbing im Internet

Außenansicht des U-Bahnhofs Osloer Strasse aufgenommen am Dienstag (22.03.2011) im Stadtteil Wedding in Berlin. Hier hatte am Samstag eine Gruppe von Jugendlichen einen 17-Jährigen zusammengeschlagen und ihn krankenhausreif geprügelt. Der junge Mann wollte seine Freundin vor massiven Beleidigungen durch ihre Mitschüler auf einer berüchtigten Internetplattform beschützen. Foto: Herbert Knosowski dpa/lbn (zu lbn 1470 vom 22.03.2011)  +++(c) dpa - Bildfunk+++
An dieser U-Bahn-Station in Berlin wurde der 17-Jährige brutal zusammengeschlagen.
dpa, Herbert Knosowski

Prügel-Attacke nach Cybermobbing

Am Wochenende ist wieder ein erschreckender Fall von massiver Jugendgewalt bekannt geworden. Zuerst ging es nur um Internetmobbing, dann eskalierte die verbale Hetze zu brutaler Gewalt. In Berlin hat eine Gruppe von Jugendlichen einen 17-Jährigen zusammengeschlagen und ihn krankenhausreif geprügelt.

Der junge Mann wollte seine Freundin vor massiven Beleidigungen ihrer Mitschülerinnen auf einer berüchtigten Internetplattform beschützen und wurde von 20 anderen Jugendlichen überfallen. Die Polizei hat sechs der mutmaßlichen Täter am Montag festgenommen. Unter den mutmaßlichen Gewalttätern ist auch ein 16-Jähriger, der von der Staatsanwaltschaft als sogenannter Intensivtäter beobachtet wird. Auch die anderen seien der Polizei “nicht unbekannt“.

Der 17-jährige Jugendliche litt gemeinsam mit seiner 18-jährigen Freundin unter den Beleidigungen und Diffamierungen im Internet. Mitschülerinnen einer Sekundarschule in Reinickendorf-Hermsdorf mobbten die 18-Jährige laut Polizei über einen längeren Zeitraum. Ihr Freund wollte die Angriffe beenden und verabredete sich daher zu einer Art Schlichtungsgespräch mit den anderen Schülerinnen. Der Versuch scheiterte aber schnell. Denn kurz darauf tauchten mehrere junge Männer auf und warfen dem 17-Jährigen vor, ihre Freundinnen zu bedrohen.

Opfer erlitt schwere Kopfverletzungen

Auf dem Heimweg traf der 17-Jährige am U-Bahnhof Osloer Straße erneut auf die Gruppe. Die mittlerweile etwa 20 Jugendlichen zerrten ihn auf einen Parkplatz und schlugen und traten auf ihr Opfer ein. Als der “wütende Mob“ von ihm abließ, lag der junge Mann bereits bewusstlos auf dem Boden und regte sich nicht mehr, wie Zeugen berichteten. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte ein Schädelhirntrauma und mehrere Blutergüsse am Kopf. Der 17-Jährige muss noch länger im Krankenhaus behandelt werden.

Die Mobbingangriffe auf die Freundin des Opfers fanden vermutlich auf einer Internetseite statt, die mittlerweile schon mehrfach zu trauriger Berühmtheit gelangte. Neben zahlreichen Beleidigungen gegen Schüler wurden hier in der vergangenen Woche auch Amokdrohungen veröffentlicht, nach denen Schulen in Berlin mehrere Tage geschlossen blieben. Die Betreiber der Seite werben damit, dass die IP-Adressen der Nutzer nicht ermittelt werden und so alle anonym bleiben können.

Die Tat ereignete sich bereits am Samstagabend in Berlin-Wedding. Sie erinnert an Gewalttaten von Jugendbanden in den vergangenen Wochen, etwa an den Überfall auf zwei Handwerker im S-Bahnhof Lichtenberg. Der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) teilte mit: “Das Netz ist zu Recht kein rechtsfreier Raum. Wir gehen entschieden gegen Beleidigungen, Mobbing und Gewalt in der Schule vor.“

Zusammen mit dem 16-jährigen Wiederholungstäter wurden am Abend auch ein 15-Jähriger und ein 17-Jähriger einem Richter vorgeführt, der über Haftbefehle entscheiden sollte. Zwei 14 und 15 Jahre alte Mädchen, sowie ein weiterer junger Mann wurden nach der Festnahme wieder freigelassen.

Senator Zöllner erklärte, wer moralische oder strafrechtliche Grenzen überschreite und aus einer vermeintlichen Anonymität heraus beleidige und angreife, erliege einer Scheinsicherheit. “Jeder sollte damit rechnen, dass Straftaten von der Schule und der Polizei geahndet werden.“ Nächste Woche soll es ein Fachgespräch zwischen Polizei, Schulpsychologie, Schulleitern, Schulräten sowie Schülersprechern geben, um das weitere Vorgehen abzustimmen.