Brutal vergewaltigt und fast getötet: Täter wurde erst 30 Jahre später in Aschaffenburg verurteilt

Jürgen R. entführte vor 30 Jahren eine junge Frau und vergewaltigte sie stundenlang.
Jürgen R. entführte vor 30 Jahren eine junge Frau und vergewaltigte sie stundenlang.
© dpa, Nicolas Armer, nar cul

26. Mai 2018 - 14:24 Uhr

Endlich Gewissheit für Ursula S.

Es ist unvorstellbar, was Ursula S. durchgemacht hat. Als 22-Jährige wurde sie nach einem Discobesuch entführt, vergewaltigt und beinahe erstochen. Weil der Täter glaubte, sie sei tot, verscharrte er sie nackt unter Laub im Wald. Doch dann kam die junge Frau wieder zu sich und überlebte nur durch pure Willenskraft. 30 Jahre später verließ die Frau lächelnd und gelöst den Gerichtssaal in Aschaffenburg. Denn der Mann, der ihr das angetan hat, wurde endlich verurteilt. "Wahnsinn, was für eine starke Frau", sagte einer der Zuschauer nach dem Prozess.

Jürgen R. vergewaltigte sein Opfer stundenlang

Im Januar 1988 lauerte der damals 26-jährige Jürgen R. seinem Opfer auf. Er zwang sie, in ihrem eigenen Auto in ein Waldstück in Aschaffenburg (Bayern) zu fahren. Was dann folgte, hatte der Täter anscheinend akribisch geplant. Über Stunden vergewaltigte der Mann Ursula S. und gab ihr genaue Anweisungen. Er wollte offenbar einen brutalen Porno nachspielen. Zwischendurch machte er sogar eine Zigarettenpause.

Dann fuhr er mit seinem Opfer noch tiefer in den Wald und stach dort mit einem Schraubenzieher auf Brust und Hals der Frau ein. Erst als die Frau leblos am Boden lag, ließ er von ihr ab. Um die vermeintliche Leiche zu verstecken, bedeckte er Ursula S. mit Laub und verschwand. Doch die 22-Jährige war noch nicht tot. Ihre Lunge und ihre Aorta waren zwar schwer verletzt, aber mit letzter Kraft gelang es Ursula S., sich zu einer Straße in der Nähe zu schleppen. Ein Autofahrer fand sie und brachte sie ins Krankenhaus.

Verteidigung forderte einen Freispruch

Eine Notoperation rettete Ursula S. das Leben. Mithilfe einer Therapie kämpfte sich die tapfere Frau dann Stück für Stück ins Leben zurück. Doch jahrelang musste sie mit der Gewissheit leben, dass ihr Vergewaltiger irgendwo frei herum lief. Es vergehen Jahre, bis ein Kriminalbeamter sich den ungeklärten Fall noch einmal anschaut. Dank neuester DNA-Technik kommen die Ermittler Jürgen R. auf die Spur.

Seine DNA war in der Datenbank gespeichert, weil seine Ehefrau ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Sie stimmte mit den Spuren überein, die die Polizei nach der Tat 1988 gesichert hatte. Im Herbst 2017 klickten dann die Handschellen. Jürgen R. gestand, die Frau damals vergewaltigt zu haben. Er habe sie aber nicht töten wollen, erklärte er. Die Verteidigung forderte darum einen Freispruch.

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Richter verurteilten Jürgen R. zu lebenslanger Haft

Für einen versuchten Mord seien die Beweise nicht ausreichend, erklärte der Pflichtverteidiger. Vergewaltigung oder versuchter Totschlag wären nach der langen Zeit verjährt. Sein Mandant sei während der Tat benebelt gewesen, habe nicht geplant gehandelt und auch Jahrzehnte unter seiner Schuld gelitten und die Tat bereut.

Dieser Ansicht folgte das Gericht nicht und verurteilte den 56-Jährigen zu lebenslanger Haft wegen versuchten Mordes. Ursula S. war mit dem Urteil sehr zufrieden, sagte ihr Anwalt nach dem Prozess. Sie habe nun die Gelegenheit bekommen, "das Geschehene angemessen zu verarbeiten und möglicherweise einen Abschluss zu finden", erklärte er.