Vorwürfe gegen Berliner Chirurgen häufen sich

Horror nach Brust-OPs: Patientinnen klagen an

18. Januar 2021 - 19:07 Uhr

Not-OP nach Brustvergrößerung: Ärzte-Pfusch?

Furchtbare Schmerzen, hohes Fieber und schließlich Not-OP - so katastrophal platzte Auda Raunigks Traum von größeren Brüsten. Heute fühlt die junge Mutter sich entstellt und ist sich sicher: Ihr Schönheitschirurg in Berlin sei extrem nachlässig gewesen und habe diesen schlimmen Verlauf verhindern können. Und sie ist nicht die einzige Patientin, die das Vorgehen von Dr. Rainer John heftig kritisiert: Bei ihrer Recherche findet RTL-Reporterin Melanie Wolfram immer mehr Frauen, die offenbar Opfer des Arztes wurden. Wie dieser auf die schweren Vorwürfe reagiert, sehen Sie im Video.

„Der Arzt war einfach nicht mehr zu erreichen“

Im Dezember 2017 lässt Auda bei Dr. John die OP durchführen, die ihr zu einem neuen Körpergefühl verhelfen soll: Jede Brust wird mit einem 750-Gramm-Implantat vergrößert. Doch drei Wochen später verschlechtert sich der Zustand der 28-Jährigen: Sie bekommt Schmerzen an der linken Brust, hohes Fieber, landet schließlich im Krankenhaus. Das Implantat muss entfernt werden – "weil alles komplett vereitert war," wie Auda erklärt. Aber wie konnte es überhaupt soweit kommen? Die junge Mutter fühlt sich von ihrem Chirurgen im Stich gelassen. Sie wirft ihm vor, er habe sich nicht ausreichend um die Nachsorge gekümmert: "Der Arzt war dann einfach nicht zu erreichen und man hätte das alles abwenden können, wenn sich darum gekümmert worden wäre – wo ich es schon angesprochen hatte – und es wurde abgetan: Nee, ist alles gut!"

Wir konfrontieren Dr. John mit Audas Vorwürfen, dass kein Notfall-Nachsorgekontakt erreichbar gewesen sei. "Eine chirurgische Arztpraxis ist zu den regulären Sprechstundenzeiten erreichbar. Wie jeder weiß, wendet man sich in dringenden Notfällen an das nächstliegende Krankenhaus bzw. Tel. 110 - Unsere Praxis ist außerdem auch am Wochenende tagsüber über die Praxistelefonnummer zu erreichen", so die Antwort.

Trotz Blut und Eiter: Narbe wird einfach zugenäht

Sherilyn Heise
Sherilyn Heise bereut ihre Brustvergrößerung bei Dr. John
© RTL

Auch Sherilyn Heise aus Brandenburg bereut, sich auf den Arzt verlassen zu haben. Im September 2020 will sie sich größere Brustimplantate einsetzen lassen. "Ich hatte das Beratungsgespräch (…) und seine Antwort daraufhin war: Naja, wir könnten bei dir zwei Kilo reinhauen. Das hätte mir eigentlich schon zu denken geben müssen." Trotzdem wagt die Studentin den Schritt: Sie lässt sich von Dr. John 760 Gramm pro Brustseite einsetzen – vorher waren es jeweils 400 Milliliter. "Das Komische ist, dass er noch nicht mal ausgemessen hat, wie viel reinpassen würde – ich bin ja wirklich sehr zierlich und klein", so die 23-Jährige.

offene OP-Wunde nach Brustvergrößerung
An der OP-Narbe klaffte ein regelrechtes Loch
© privat

Schon kurze Zeit nach der Operation treten die ersten Probleme auf: Blut und Eiter laufen aus der Wunde. Sherilyn erklärt, sie habe den Arzt erst drei Tage später erreicht. Beim nächsten Termin wird die Narbe zunächst einfach wieder zugenäht, doch eine weitere Woche später kommt es wieder zu Komplikationen. Dr. John will die Narbe erneut zunähen, doch Sherilyn vertraut dem Arzt nicht mehr. Sie wendet sich direkt an eine große Berliner Klinik und erfährt dort: Man könne die Wunde gar nicht zunähen, da sie kontaminiert sei. Würde man es dennoch tun, würde sie definitiv irgendwann wieder aufreißen und die Infektion weiter voranschreiten, warnt der Experte Sherilyn.

Betroffene wollen Frauen vor Arzt warnen

Im November folgt schließlich die Not-OP, bei der Sherilyn beide Implantate entfernt werden. Auch mit ihrem Fall konfrontieren wir Dr. John. Das verwirrende Statement des vermeintlichen Profis: "Wenn es zu Wundheilungsstörungen kommt mit sichtbarem Implantat hängt die Therapieentscheidung von Symptomen wie z. B. Entzündungzeichen, Sepsiszeichen bzw. Asepsis ab."

Auda, Sherilyn und andere Betroffene, mit denen RTL-Reporterin Melanie Wolfram in Kontakt getreten ist, haben sowohl auf ihrem Körper als auch seelisch Narben davongetragen, die sie wohl den Rest ihres Lebens begleiten werden. Sie haben versucht, mit dem Chirurgen, der Ärztekammer und Juristen zu sprechen – passiert ist bislang nichts. Nun wollen sie andere Frauen vor dem vermeintlich so renommierten Arzt warnen.