23. April 2019 - 8:09 Uhr

In Brunei gilt die Scharia

Seit Anfang April kann gegen Homosexuelle in Brunei die Todesstrafe verhängt werden. Das Sultanat hat die heftig kritisierte Gesetzesverschärfung jetzt verteidigt - in einem Brief an das Europäische Parlament!

Homosexuelle müssen Steinigungen fürchten

Wie der "Guardian" berichtet, heißt es darin, das Land wolle traditionelle Werte bewahren und fordere dafür "Toleranz, Respekt und Verständnis". In Brunei gelten seit Kurzem härtere Strafgesetze: Homosexuelle müssen Steinigungen fürchten. Dieben wird damit gedroht, ihnen Hände und Beine zu amputieren. Grundlage dafür ist die Scharia, die im weiten Sinne die religiösen und rechtlichen Normen im Islam regelt.

George Clooney ruft zum Boykott auf

In dem Brief an das EU-Parlament heißt es weiter, die internationale Kritik sei auf ein Missverständnis zurückzuführen. "Die Kriminalisierung von Ehebruch und Unzucht soll die Unantastbarkeit der Familienlinie und der Ehe von verschiedenen Muslimen gewährleisten, insbesondere von Frauen." Das Europäische Parlament hatte vergangene Woche dazu aufgerufen, die Einfrierung von Vermögenswerten, Visa-Verbote und eine schwarze Liste von Hotels zu prüfen. Unter anderem der Schauspieler George Clooney hatte gefordert, Hotels, die dem Sultan gehören, zu boykottieren.

In dem Sultanat auf der Insel Borneo sind zwei Drittel der Einwohner muslimischen Glaubens. Seit einiger Zeit sind dort konservative islamische Kräfte auf dem Vormarsch. Schwule und Lesben werden in der ehemaligen britischen Kolonie seit Langem unterdrückt. Bislang standen auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft.