Niederösterreich

Unter Todesangst und Sauerstoffmangel: Mindestens 38 Flüchtlinge fliehen aus Kühllaster

38 Flüchtlinge in Kühlanhänger in Österreich entdeckt
© dpa, sab

16. September 2020 - 16:25 Uhr

Flüchtlinge berichten von Todesangst

Zusammengepfercht auf engstem Raum, versteckt hinter Papierrollen und ohne frische Luft: An einer Autobahnabfahrt bei Bruck an der Leitha in Niederösterreich hat die Polizei 38 Menschen aufgegriffen, die offenbar in einem Kühllaster über Ungarn nach Österreich geschmuggelt wurden – darunter auch sechs Kinder. Die Menschen, bei denen es sich laut der Polizei um syrische, türkische und irakische Staatsangehörige handelt, berichteten den Beamten von Todesangst und Sauerstoffmangel während der Fahrt.

Menschen stoppten Laster durch lautes Rufen

Der Kühllaster habe keinerlei Möglichkeit zur Belüftung gehabt. Viele Menschen seien zwischendurch ohnmächtig geworden, eine Person sogar vollständig zusammengebrochen. Schlussendlich riefen die Menschen in dem Laster so laut, dass der Fahrer des Wagens kurz anhielt. Als er die Türen öffnete, flohen bereits einige Person aus dem Fahrzeug. Während versucht wurde, einen Bewusstlosen durch die Luke zu bergen, sei der Lkw weitergefahren. Dabei soll eine Person beinahe überrollt worden sein. Den Moment, als das Sattelkraftfahrzeug später nochmals anhielt und der Lenker sich vom Fahrzeug entfernte, nutzten alle weiteren Personen zur Flucht. Viele flüchteten sich in die umliegenden Felder. Insgesamt sollen 43 Personen in dem Laster gewesen sein.

Flüchtlinge wurden zur Fremden- und Grenzpolizei gebracht

Zeugen verständigten schließlich die Polizei. Unter Einsatz eines Hubschraubers wurde das Gebiet dann laut den Behörden großräumig durchsucht. Die Beamten hätten insgesamt 38 Personen gemäß dem Fremdenpolizeigesetz vorläufig festgenommen. Teilweise seieen die Menschen in einem schlechten gesundheitlichen Zustand gewesen. Sie seien von Rettungskräften erstversorgt und anschließend zur Fremden- und Grenzpolizei gebracht worden.

Ähnliche Situationen gibt es immer wieder

Der Vorfall erinnert an eine ganz ähnliche Situation mit 71 Toten im Jahr 2015 ganz in der Nähe. Nach Angaben der Polizei stand der Lastwagen nahe Bruck an der Leitha. Durch Anzeigen mehrerer Bürger war die Polizei bereits vor einer Woche auf den Lastwagen am Rande der Autobahn aufmerksam geworden. Die Zeugen hatten Menschen beobachtet, die von der Ladefläche des Transportes sprangen.