Forscher: Schickt die Kids nach draußen!

Sind unsere Kinder überbehütet? Britische Studie gibt Anlass zur Sorge

Kinder spielen am Wasser
Kinder spielen am Wasser
© Maria Pavlova

26. April 2021 - 12:29 Uhr

Überbehütet - Das wirkt sich auf die Entwicklung aus

Laut einer britischen Studie dürfen Kinder heute im Schnitt erst mit elf Jahren alleine zum Spielen nach draußen gehen – das dürfte bei uns in Deutschland nicht anders sein. Ihre Elterngeneration trieb sich im Vergleich schon zwei Jahre früher, mit neun Jahren, alleine draußen herum, die Großeltern noch früher. Und das hat Auswirkungen auf die Entwicklung.

Wer als Kind nicht auf Bäume klettert, kann später Risiken schlechter einschätzen

Für die Studie, die "British Children's Play Survey", haben Studienleiterin Helen Dodd, Kinderpsychologin der Universität Reading, und ihre Mitarbeiter 2000 Eltern von Kindern zwischen fünf und elf Jahren befragt. Das Ergebnis: Die Kinder haben, anders als die Generationen vor ihnen, deutlich seltener die Möglichkeit, sich schon in jungen Jahren auf eigene Faust mit der Außenwelt auseinanderzusetzen - samt ihren Schönheiten, aber auch ihren Gefahren!

Durchschnittlich drei Stunden würden die Kinder täglich spielen, etwa die Hälfte davon draußen. Kinder, die nicht frei auf Bäume kletterten oder ähnliche Abenteuer erlebten, könnten jedoch auch im späteren Leben Risiken und Gefahren weniger gut einschätzen und verarbeiten. Wer als Kind nur selten alleine oder mit gleichaltrigen Freunden oder Geschwistern unter freiem Himmel unterwegs sei, der leide bald auch psychisch.

Situation durch Corona zugespitzt - Folgen sind nicht absehbar

Die Kindheit verändert sich damit massiv. Die kürzlich veröffentlichte Studie wurde im zwar im April 2020 durchgeführt, schließt aber die Veränderungen durch Corona noch nicht mit ein. Doch vermutlich hat sich die Situation durch die Pandemie eher verschärft. Eine ganze Generation, so die Autoren der britischen Studie, habe sich bereits vor Corona in einer Art Dauer-Lockdown befunden, aber aus anderen Gründen: Damals seien es Ängste vor dem Verkehr, vor Gewalt, Sexualverbrechern, oder der Aufnahme peinlicher Handyvideos durch andere Kinder gewesen, die die Eltern dazu verleiteten, die Kinder kaum unbeaufsichtigt vor die Haustüre zu lassen. Bei vielen Kindern habe das zu Langeweile, Einsamkeit und Antriebslosigkeit geführt – schon vor Corona. Lockdowns, Schulschließungen und Kontaktverbote haben die Situation nicht verbessert. Die gesundheitlichen und psychischen Folgen sind noch nicht absehbar.

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