Höherer R-Wert trägt die dritte Welle

Britische Corona-Variante nicht tödlicher: Was bedeutet das jetzt konkret für uns?

Eine Infektion mit der britischen Corona-Variante B.1.1.7 verläuft nicht tödlicher, so das Ergebnis verschiedener Studien.
Eine Infektion mit der britischen Corona-Variante B.1.1.7 verläuft nicht tödlicher, so das Ergebnis verschiedener Studien.
© imago images/Christian Ohde, Christian Ohde via www.imago-images.de, www.imago-images.de

14. April 2021 - 13:10 Uhr

Neue Studien: Keine Belege für eine erhöhte Sterblichkeit

Die britische Corona-Variante B.1.1.7, die sich mittlerweile in weiten Teilen der Welt ausbreitet, ist deutlich ansteckender als die ursprüngliche Form des Virus. Neue Studien aus Großbritannien sehen jedoch keine Belege für eine erhöhte Sterblichkeit. Epidemiologe Professor Timo Ulrichs ordnet ein, was das nun für uns in Deutschland bedeutet.

+++ Alle aktuellen Informationen und Entwicklungen zum Coronavirus finden Sie im Live-Ticker auf RTL.de +++

Ansteckendender - aber nicht tödlicher

Die zunächst in Großbritannien entdeckte Corona-Variante B.1.1.7 ist aktuellen Studien zufolge ansteckender als die ursprüngliche Form. Allerdings fanden die Forscher nun doch keine Belege für eine höhere Tödlichkeit der Variante, wie aus zwei Studien hervorgeht, die am Dienstag in Fachmagazinen veröffentlicht wurden. Bereits in der Vergangenheit hatten Untersuchungen ergeben, dass die Variante B.1.1.7 sich leichter von Mensch zu Mensch überträgt als die in Wuhan entdeckte Wildform des Virus. Einige Studien sahen bisher allerdings auch eine höhere Tödlichkeit.

LESE-TIPP: Impfstoff-immune Corona-Super-Mutationen auch in Deutschland denkbar

Größere Fitness der Virus-Variante ist gefährlich

Die gute Nachricht ist: Wenn jemand eine Covid-19-Erkrankung hat, die durch die britische Variante hervorgerufen wurde, hat er oder sie kein erhöhtes Sterberisiko. "Aber für die Gesamtbevölkerung gesprochen ist natürlich die größere Fitness dieser Virus-Variante gefährlich", sagt uns Epidemiologe Professor Timo Ulrichs.

"Dann haben wir eben auch das Problem, dass wir mehr Fälle sehen, wie jetzt gerade während der dritten Welle in Deutschland." Denn damit gebe es auch anteilig mehr Fälle, die Covid-19 entwickeln, möglicherweise mit intensivpflichtiger Behandlung. Und das ist bekanntlich für die Kapazität unseres Gesundheitssystems ein Problem - Intensivmediziner drängen deswegen schon länger auf härtere Maßnahmen.

Bedeutet die Studie auch etwas Entwarnung für uns?

Im Gegenteil: Es ist die Bestätigung, dass die britische Variante sich leichter ausbreiten kann, weil sie auch einen höheren R-Wert hat. "Das bedeutet, dass wir unsere Bemühungen noch einmal intensivieren müssen, hier mit der dritten Welle fertig zu werden", warnt Ulrichs. "Das sehen wir ja auch ohne diese Studie, dass nämlich die gängigen Maßnahmen bisher nicht mehr richtig ausreichen und auch aus anderen Gründen die ganzen Instrumente etwas stumpf geworden sind." Um die von der britischen Variante getragene dritte Welle richtig wirksam zu bekämpfen, bräuchten wir eben verschärfte Maßnahmen, einen verschärften Lockdown. "Und den möglichst schnell", fordert der Epidemiologe.

LESE-TIPP: Droht bei Ihnen die Notbremse? Suchen Sie hier Ihre Region!

Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs im RTL-Interview
Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs
© RTL

Bisherige Maßnahmen reichen nicht, um den Frühlingseffekt mitzunehmen

Noch kommt der Frühling nicht so wirklich in Gang, doch spätestens Mitte nächster Woche sind Temperaturen über 20 Grad in Sicht. Die Hoffnung der Wissenschaftler ist natürlich, dass sich das positiv für uns und negativ für das Virus auswirkt. Größere Abstände können eingehalten werden, erhöhte UV-Einstrahlung, die Menschen bewegen sich eher im Freien, Innenräume werden dauernd gelüftet. "Wir sehen gerade eine sich aufbauende dritte Welle bei uns, die könnte sich etwas beeinflussen lassen von dem beginnenden Frühling", sagt uns Ulrichs. "Aber das muss sie gar nicht, wir sind etwas spät dran mit den verschärften Maßnahmen, um hier diesen Frühlingseffekt möglicherweise noch mit zunehmen."

VIDEO-PLAYLIST: Alles, was Sie über Corona wissen müssen

LESE-TIPP: Für die Corona-Impfung einfach zum Hausarzt – was muss ich jetzt wissen?

Ab April kann man sich bei seinem Hausarzt gegen Corona impfen lassen. Das klingt nach weniger bürokratischem Aufwand, aber was genau müssen Sie beachten? Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zum Impfstart.

Auch interessant