Britischer Premierminister: Es gibt "einige Hinweise"

Britische Corona-Mutation womöglich tödlicher: Forscher findet Boris Johnson zu forsch

Das mutierte Coronavirus aus Großbritannien soll nicht nur ansteckender, sondern auch tödlicher als frühere Varianten sein.
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23. Januar 2021 - 16:16 Uhr

Mutiertes Coronavirus aus England soll ansteckender und tödlicher sein

Das mutierte Coronavirus aus Großbritannien soll nicht nur ansteckender, sondern könnte auch tödlicher als frühere Varianten sein. Darauf gebe es "einige Hinweise", sagte der britische Premierminister Boris Johnson am Freitag in einer Pressekonferenz in London. "Ziemlich überrascht" von dieser Aussage zeigte sich am Samstag Mike Tildesley, Mitglied des wissenschaftlichen Expertengremiums Sage, bei der BBC: "Ich mache mir Sorgen, dass wir Dinge voreilig melden, wenn die Daten noch nicht wirklich besonders aussagekräftig sind."

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Corona-Mutation: Angespannte Lage in Großbritannien

Die Mutation war Ende vergangenen Jahres in der südostenglischen Grafschaft Kent aufgetaucht und hatte sich mit rasender Geschwindigkeit ausgebreitet. Inzwischen sind Fälle in rund 60 Ländern nachgewiesen.

Die hohe Belastung der Krankenhäuser in Großbritannien sei zu einem erheblichen Teil auf die neue Virusvariante B.1.1.7 zurückzuführen, sagte Johnson. Das Land verzeichnet im weltweiten Vergleich pro Einwohner die höchste Anzahl von Corona-Todesfällen: 16,5 Tote pro eine Million Menschen. Insgesamt starben rund 96.000 Menschen, das ist ein trauriger Rekord in Europa. Seit Wochen gilt ein Lockdown mit weitreichenden Ausgangs- und Reisebeschränkungen, Schulen und nicht lebensnotwendige Geschäfte sind geschlossen.

Die meisten EU-Staaten hatten nach Bekanntwerden der Mutation entschieden, Reisen aus und nach Großbritannien weitgehend einzuschränken, um die Verbreitung zu verhindern. In Deutschland sind bisher nur etwas mehr als ein Dutzend Fälle bekannt. Die erste Infektion ist kurz vor Weihnachten nachgewiesen worden.

Wie gefährlich ist die britische Virus-Mutation wirklich?

Doch wie gefährlich die neue Virus Variante tatsächlich ist, ist noch unklar. Britische Forscher gehen bisher davon aus, dass die Mutante etwa 50 Prozent ansteckender ist. Der Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin betont gegenüber ntv.de jedoch, dass es dafür noch keinen "direkten Beweis" gebe. "Zwar weiß man bereits viel über die genetischen Mutationen und die veränderte Oberfläche des Erregers." Eine höhere Infektiosität könne bisher aber nur indirekt durch die epidemiologischen Daten abgeleitet werden.

Experten in Großbritannien gehen aber nicht davon aus, dass die Schutzwirkung der bisher verwendeten Impfstoffe durch die heimische Virus-Variante beeinträchtigt wird. Für zwei weitere Mutationen, die in Brasilien und Südafrika entdeckt wurden, sei dies noch unklar, sagte der wissenschaftliche Berater der britischen Regierung Patrick Vallance am Freitag. Laut Regierung haben im Vereinigten Königreich bereits 5,4 Millionen Menschen eine erste Impfdosis erhalten.

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