"Ich bereue nicht, was ich getan habe"

Briten wütend auf Johnsons Berater Cummings: Ausflug trotz Corona-Regeln

Dominic Cummings
© AP, Jonathan Brady

26. Mai 2020 - 15:40 Uhr

von Katharina Delling aus London

Seit 64 Tagen herrscht in Großbritannien jetzt Ausgangssperre. Restaurants, Bars, Kinos, Einzelhandel - alle sind bis auf Weiteres geschlossen. Nur zum Sport machen und Einkaufen durften die Briten bisher ihr Haus verlassen.

Mehr als 35.000 Menschen sind hier bereits an den Folgen von Covid-19 gestorben - die höchste Zahl in Europa. Harte Zeiten und Maßnahmen also für die Bevölkerung. Und die Politik? Macht in Person von Boris' Johnsons Berater Dominic Cummings Schlagzeilen in Sachen grober Unvernunft. 

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Briten sind wütend über Cummings

​Es ist eine harte Zeit für viele Briten, denn gerade in London sind die Wohnungen klein, nur wenige haben einen Balkon oder Garten. Und trotzdem: die meisten haben ihr Bestes gegeben, sich an die von der Regierung vorgegebenen Regeln zu halten - für ihre Mitmenschen und für das Gesundheitssystem.

Nur einer schien sich gar nicht bemühen zu wollen: Boris Johnsons Berater und enger Vertrauter Dominic Cummings. Nachdem Boris Johnson mit Covid-19 auf die Intensivstation eingeliefert wurde, bekam auch er Symptome. Anstatt sich aber - wie von seiner Regierung vorgeschrieben - zu Hause in Quarantäne zu begeben, packte er seine Frau und seinen 4-jährigen Sohn ins Auto und fuhr ins 425 Kilometer entfernte Durham auf das Anwesen seiner Eltern.

Während die Downing Street Dominic Cummings Rückendeckung gibt, sind alle anderen über diesen Schritt ziemlich wütend. Denn während ganz Großbritannien sich Mühe gab, sich an die Regeln zu halten, hat Dominic Cummings mehrfach gegen sie verstoßen. Sogar einen Ausflug zu einer 30 Minuten entfernten Touristenattraktion hat er in dieser Zeit mit seiner Familie gemacht. Zusammen haben sie im Gras gesessen - obwohl das Sitzen auf Grünflächen streng verboten war. 

Berater gibt Pressekonferenz - das gab es noch nie!

Nach Protesten vor Cummings Haus in London und mehreren Rufen aus der eigenen Partei, er sollte zurücktreten, entschied sich Cummings jetzt eine Pressekonferenz im Rosengarten der Downing Street abzuhalten. Ein nie da gewesener Fall: ein Berater des Premierministers gibt normalerweise keine Pressekonferenzen und schon gar nicht im Rosengarten der Downing Street.

Was die Briten und vor allem die Presse versöhnen sollte, löste ähnlich viel Ärger und Verachtung aus, wie das desaströse TV-Interview, das Prinz Andrew im November über seine Beziehung zu Jeffrey Epstein gab. 

Immerhin war Cummings in einem ehrlich: "Ich bereue nicht, was ich getan habe", sagte er bei der Pressekonferenz und sorgte damit für noch mehr Aufregung. Die Fahrt zur nahegelegenen Touristenattraktion rechtfertigt er damit, dass er seine Augen testen wollte, weil er durch die Covid-Erkrankungen das Gefühl gehabt hätte, nicht mehr richtig sehen zu können. Bevor er also den langen Trip zurück nach London machen konnte, wollte er durch eine kürzere Autofahrt sichergehen, dass seine Augen wieder richtig funktionierten. Warum er seine Frau nicht bitten wollte zu fahren und wieso es für diese Testfahrt wichtig war seinen 4-jährigen Sohn dabei zu haben, bleibt offen. 

Polizei leitet Untersuchung ein

Wenn seine Taten schon keinen Einfluss auf Cummings politische Karriere haben, dann vielleicht auf sein Privatleben: Der Polizei- und Verbrechensbeauftragte von Durham, Steve White, bat nämlich jetzt den Polizeipräsidenten der von ihm beaufsichtigten Truppe formell, eine Untersuchung gegen Cummings einzuleiten.

Für Premierminister Boris Johnson könnte es aber sehr wohl Konsequenzen haben. Einer seiner Minister ist schon zurückgetreten und laut einer Umfrage steht der Premier in den Augen der Briten jetzt ziemlich schlecht da. Während seine Beliebtheitsquote vor vier Tagen noch bei plus 19 Prozent war, ist sie jetzt bei minus einem Prozent. 

Ein kleiner Trost für alle Briten; seit vergangener Woche nun gibt es erste Lockerungen der Ausgangssperre: es darf sich wieder in Parks getroffen werden - mit einem Sicherheitsabstand von zwei Metern und nur mit einer anderen Person, die nicht zum eigenen Haushalt gehört. Mal sehen, wie viele sich jetzt noch daran halten und wer lieber dem Beispiel von Dominic Cummings folgt.

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