Bristol: Bürgermeister lässt sie wieder entfernen

Statt Sklavenhändler Black-Lives-Matter-Aktivistin? Hin und her um Statue

Diese Statue wurde aufgestellt.
© AP, Matt Dunham, MD

16. Juli 2020 - 16:26 Uhr

Bürger sollen entscheiden

Früher stand an dem Ort in Bristol die Statue eines Sklavenhändlers. Dann wurde sie ersetzt: Auf dem Sockel grüßt für Tage die Skulptur einer Black-Lives-Matter-Aktivistin die Menschen in der englischen Hafenstadt. Doch am Donnerstag ist der Sockel schon wieder statuenfrei. Bürgermeister Marvin Rees erklärt: "Wir stürzen keine Statue einer Black-Lives-Matter-Aktivistin. Wir nehmen die Arbeit eines Künstlers aus London, der sie ohne Erlaubnis und ohne Absprache mit der Stadt errichtet hat, wieder weg."

Künstler fertigte Statue von BLM-Aktivistin an

Wie britische Medien berichteten, wurde die Statue in den frühen Morgenstunden am Mittwoch heimlich auf dem Sockel angebracht. Sie stammt von dem Künstler Marc Quinn, der sich von einem Foto der Aktivistin Jen Reid inspirieren ließ, die den leeren Sockel erklommen und ihren Arm mit geballter Faust in die Höhe gereckt hatte.

Bristols Bürgermeister Marvin Rees, der zuvor Sympathien für die Proteste geäußert hatte, hatte daraufhin angekündigt, die neue Statue wieder entfernen zu lassen. "Die Zukunft des Sockels und was darauf angebracht wird, muss von den Menschen in Bristol entschieden werden", twitterte Rees, der selbst jamaikanische Wurzeln hat.

Sklavenhändler-Denkmal von Demonstranten umgeworfen

FILE PHOTO: The statue of 17th century slave trader Edward Colston falls into the water after protesters pulled it down and pushed into the docks, during a protest against racial inequality in the aftermath of the death in Minneapolis police custody
Das Denkmal des Sklavenhändlers Edward Colston war Anfang Juni von Demonstranten vom Sockel gestürzt und in den Hafen geworfen worden.
© KEIR GRAVIL via REUTERS, Social Media, /FW1F/Dave Gregorio

Das Denkmal des Sklavenhändlers Edward Colston war Anfang Juni von Demonstranten im Zuge der Proteste gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd vom Sockel gestürzt und in den Hafen von Bristol geworfen worden. Die Aktion wurde zu einem Symbol der Black-Lives-Matter-Proteste in Großbritannien.

Colston (1636-1721) wird in Bristol seit Jahrhunderten als Wohltäter verehrt, weil er Armenhäuser und Schulen unterstützte. Sein Reichtum gründete jedoch zu einem erheblichen Teil auf dem Handel mit afrikanischen Sklaven, die unter unsäglichen Bedingungen nach Amerika verschifft wurden. Viele starben bereits an Bord, teilweise wurden sie sogar ins Meer geworfen. In den vergangenen Jahrzehnten kamen daher immer wieder Forderungen auf, die Statue zu entfernen und Straßen und nach Colston benannte Gebäude umzubenennen.