Brishna (10) wurde vergewaltigt - jetzt droht ihr der Tod durch Ehrenmord

02. Dezember 2015 - 11:27 Uhr

Amnesty International mit weltweiter Kampagne

Die zehnjährige Brishna aus Afghanistan hat etwas Schreckliches hinter sich. Das Mädchen aus der Provinz Kundus in Afghanistan wurde im Mai von einem Mullah (Ehrentitel eines islamischen Rechts- und Religionsgelehrten) vergewaltigt. "Meine Eltern schickten mich in die Moschee, um zu lernen. Aber ich wusste nicht, dass er mir das antut", sagte das Mädchen. Doch damit ist ihre dramatische Geschichte noch nicht beendet: Dem Mädchen droht ein sogenannte Ehrenmord. Amnesty International (AI) will dies mit einer weltweiten Kampagne verhindern.

Nach Vergewaltigung droht Brishna (10) Ehrenmord
Der Mullah (rechts) hat sich an der zehnjährigen Brisnha vergangen.

Nachdem Brishna aus dem Krankenhaus entlassen worden war, hätten Angehörige ihrer Familie und ihrer Gemeinde damit gedroht, sie zu töten. Die Leiterin des Frauenhauses von 'Women for Afghan Women', Dr. Hassina Sarwari, berichtete einem Journalisten, dass sie beim Abholen Brishnas eine Tante des Mädchen traf, von der sie erfuhr, dass männliche Familienangehörige Brishna töten und in einen Fluss werfen wollten.

Opfern von Vergewaltigung droht der Ehrenmord, da man ihnen vorhält, sie hätten Schande über die Familie gebracht. Sie werden oft eher als Täter denn als Opfer angesehen. Auch die Frauenrechtsaktivistin Sarwari, die sich für Brishna einsetzt, sei von der Familie des Mädchens sowie religiösen Führungspersonen und einflussreichen Menschen im Ort mit dem Tode bedroht worden, berichtet Amnesty.

Tausende Briefe auch aus Deutschland

Die Zehnjährige war nach der Vergewaltigung mit Unterstützung von 'Women for Afghan Women' in der Klinik behandelt worden. Im Juli habe die Polizei Brishna aus dem Frauenhaus abgeholt und zurück zu ihrer Familie gebracht, obwohl sie sich dort in Lebensgefahr befunden habe.

Medizinische Tests bestätigten, dass Brishna noch nicht geschlechtsreif ist und brutal vergewaltigt wurde. Der Mullah, der sich an ihr vergangen haben soll, wurde inzwischen zu 20 Jahren Haft verurteilt. "Das ist ein wichtiges Urteil", erklärte Frauenrechtlerin Marzia Rustami. "Denn es zeigt: wenn Frauen ihre Stimme erheben und Druck ausüben, können sie auch erfolgreich sein."

Amnesty International will den Tod des Mädchens mit einer weltweiten Kampagne verhindern. Auch aus Deutschland haben bereits tausende Menschen Protestbriefe nach Afghanistan geschickt – mit ersten Erfolgen: Brishnas Familie hat schriftliche Garantien abgegeben, dass sie dem Kind nichts antun wird. Zur Schule darf es aber nach wie vor nicht gehen. Nach Auffassung von Amnesty ist das Mädchen nach wie vor von Vergeltungsmaßnahmen bedroht.