USA verschärfen Drohungen

Brisanter Zwischenfall in Syrien: Türkei beschießt offenbar US-Truppen

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12. Oktober 2019 - 10:21 Uhr

Eskalation im Streit um türkische Offensive in Syrien

Mitten in den Streit um die türkische Militäroffensive in Syrien platzt ein brisanter Zwischenfall: Die USA werfen der Türkei vor, amerikanische Truppen im Norden des Landes mit Artillerie beschossen zu haben. Die Türkei weist die Vorwürfe entschieden zurück. Kommen jetzt die von US-Präsident Trump angedrohten Sanktionen?

Explosion nahe US-Soldaten?

Der Artilleriebeschuss habe "wenige hundert Meter" entfernt von den US-Truppen zu einer Explosion geführt, teilte das Pentagon mit. Der Vorfall habe sich in der Nähe der Grenzstadt Kobane ereignet. Das sei eine Gegend, von der die Türkei wisse, dass dort US-Soldaten anwesend seien. Es sei niemand verletzt worden, heißt es aus dem US-Verteidigungsministerium. Obwohl der Vorfall glimpflich ausgegangen sei, schickte das Pentagon eine neuerliche Warnung an die Adresse Ankaras. 

Die Türkei habe jegliche Handlungen zu vermeiden, "die eine sofortige Verteidigungsreaktion nach sich ziehen könnten", warnte das Pentagon. Stunden zuvor hatte bereits US-Armeechef Mark Milley gesagt, dem türkischen Militär seien die Positionen der amerikanischen Truppen in der Region mitgeteilt worden. "Und jeder ist sich voll bewusst, dass wir uns als US-Militär das Recht auf Selbstverteidigung vorbehalten". Der US-Sender "ABC News" meldete kurz darauf, die Spezialeinheiten seien nach dem Vorfall von ihrem Posten abgezogen worden.

Türkei wehrt sich gegen Anschuldigungen

 Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, spricht mit Vertretern seiner Regierungspartei AKP. Erdogan sagte seiner Regierungspartei, das türkische Militär habe bei seinem Einsatz gegen kurdische Milizen in Nordsyrien bis
Die Türkei verlangte angesichts der internationalen Kritik an der Offensive von der Nato ein "klares und deutliches" Bekenntnis der Solidarität.
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Das türkische Verteidigungsministerium wies den Vorwurf zurück, dass auf Truppen der Amerikaner oder des Militärbündnisses gegen die Terrormiliz Islamischer Staat geschossen worden sei. Vielmehr seien türkische Grenzposten von Hügeln aus unter Beschuss genommen worden, die etwa einen Kilometer von einem US-Beobachtungsposten entfernt lägen. "Als Akt der Selbstverteidigung" sei das Gegenfeuer eröffnet worden auf die Stellungen der "Terroristen" - womit die türkische Regierung in der Regel kurdische Milizen meint. Dabei seien aber "alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen" und keine US-Kräfte beschossen worden. Nach Rückmeldungen seitens der USA sei das Feuer schließlich "vorsichtshalber" eingestellt worden.

"Sehr harte Sanktionen"

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte bereits zuvor jede Kritik an der Militäroffensive seiner Streitkräfte zurückgewiesen. Die Türkei erhalte derzeit "von rechts und links Drohungen", sagte Erdogan bei einer Ansprache in Istanbul. "Aber wir werden nicht stoppen. Wir werden keinen Schritt mehr zurückgehen". Die USA dringen auf einen Abbruch der Offensive und drohen der Regierung in Ankara harte Strafmaßnahmen an. "Wenn wir müssen, können wir die türkische Wirtschaft stilllegen", warnte US-Finanzminister Steven Mnuchin.

Die USA bereiteten "sehr harte Sanktionen" vor, die "jede Person mit Verbindungen zur türkischen Regierung" und auch Finanzinstitute treffen könnten. "Ich hoffe, dass wir sie nicht anwenden müssen". Die Türkei dürfe zudem keinesfalls erlauben, dass auch nur ein einziger IS-Gefangener im türkischen Einmarschgebiet entkomme.

Die türkische Offensive, die seit Mittwochnachmittag läuft, richtet sich gegen die kurdische YPG-Miliz, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Die Offensive stößt international auf scharfe Kritik.