Brisante Lage am Eurotunnel: Cameron und der "Schwarm" von Calais

03. August 2015 - 11:28 Uhr

Selbst Farage kritisiert Cameron

Großbritannien setzt angesichts des Flüchtlingsdramas von Calais auf Abschreckung und eine härtere Einwanderungspolitik. "Wir werden mehr illegale Migranten aus unserem Land abschieben, damit Leute wissen, dass es kein sicherer Hafen ist, wenn man mal da ist", sagte Premierminister David Cameron. Es würden bereits Gesetze verabschiedet, um das Bleiben des "Schwarms" – wie Cameron sagte – der Migranten zu erschweren.

Brisante Lage am Eurotunnel: Cameron und der "Schwarm" von Calais
Kein Risiko, kein Zaun zu hoch: Flüchtlinge in Calais
© dpa, Yoan Valat

Von allen Seiten hagelte es Kritik an dieser Äußerung, vom UK Refugee Council über die UN bis hin zu – kaum zu glauben – Nigel Farage, dem Rechtsaußen und Ukip-Vorsitzenden. Dieser kritisierte zwar nicht den Inhalt an sich, aber die Ausdrucksweise als zu hart.

Diese unqualifizierte Ausdrucksweise zeigt, dass die Flüchtlingsproblematik nicht von alleine verschwindet, sondern sich mit den Schutz suchenden Menschen 'verteilt': Es gibt keine europäische Lösung für die Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen, und egal wohin sie sich von da aus auf den Weg machen, die europäische Hilflosigkeit wird nur noch größer und beschert der EU unter anderem solche verbalen Ausfälle wie die von Cameron, und eskalierende Situationen wie die am Eurotunnel.

Allnächtliches Katz- und Mausspiel

Nacht für Nacht versuchen Hunderte von Flüchtlingen vom französischen Calais aus durch den Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal Großbritannien zu erreichen. Frankreich schickte zusätzliche Polizisten nach Calais.

In diesem Jahr hat der Betreiber des Tunnels auf der französischen Seite bereits mehr als 37.000 Versuche gezählt, die Grenze illegal zu überqueren. Nach Angaben des Unternehmens ist nun die Absperrung der Bahnsteige in seinem Terminal bei Calais verstärkt worden, zudem habe es seine Vorkehrungen für den Frachtverkehr in der Nacht verschärft.

Die in Calais gestrandeten Migranten liefern sich mit der Polizei Abend für Abend ein Katz- und Mausspiel. Sie versuchen, auf das Bahngelände vor dem Tunneleingang zu gelangen, um auf die Züge zu klettern oder sich in wartenden Lastwagen zu verstecken. LKW-Fahrer erleben dies als Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit. Einige weigerten sich schon, die Route zu fahren

Nach Schätzungen warten zwischen 3.000 und 5.000 Migranten in Calais auf eine Gelegenheit, illegal nach Großbritannien zu kommen. Sie erhoffen dort bessere Chancen auf Asyl und Arbeit. Viele haben auch Verwandte oder Bekannte in Großbritannien und sprechen Englisch.

Cameron hat angesichts des Andrangs von Flüchtlingen auf den Ärmelkanaltunnel das Nationale Sicherheitskabinett (Cobra) einberufen. Das Gremium solle unter Camerons Leitung zusammentreffen, teilte das Büro des Premierministers mit. Es solle sichergestellt werden, dass die Regierung unternehme, was sie kann, um der Situation in Calais zu begegnen. Angesichts der aktuellen Rhetorik Camerons darf man auf die Ergebnisse gespannt sein.