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Bringt eine Kirchensteuer für Muslime mehr deutschen Einfluss im Islam?

Bringt eine Kirchensteuer für Muslime mehr deutschen Einfluss im Islam?

Berliner SPD-Politiker will weniger Abhängigkeit vom Ausland

Wer in Deutschland Mitglied in der Kirche ist, der zahlt monatlich zwischen acht und neun Prozent Kirchensteuer. Für Muslime gilt das nicht: Die Moscheen in Deutschland finanzieren sich vor allem über Spenden und Gelder aus islamisch geprägten Staaten. Genau da sieht Raed Saleh von der Berliner SPD ein Problem. Er sagt: Auch Muslime sollten eine Kirchensteuer zahlen müssen.

Fastenbrechen in einer Moschee
Der Islam in Deutschland finanziert sich hauptsächlich durch Gelder aus dem Ausland.
dpa, Oliver Berg

"Ich möchte, dass sie nicht mehr abhängig sind vom Ausland. Auslandsgeld heißt immer Auslandseinfluss. Wir brauchen für deutsche Moscheen deutsche Imame." Bisher kommen die meisten Imame aus dem Ausland, sprechen häufig kein Deutsch und haben eine andere Weltanschauung als die gläubigen Muslime in Deutschland. Bisher fehlen aber die Gelder, um die Ausbildung an deutschen Universitäten zu finanzieren. "Gut ausgebildete deutsche Imame haben doch die besten Voraussetzungen, den jungen Leuten die Religion, aber auch die Kultur, diese nationale Identität hier in Deutschland, näherzubringen", erklärt Saleh.

Ditib Landesverband NRW ist skeptisch

Eine deutsche Identität unabhängig von Religionen, das ist Salehs Ziel. Um das durchzusetzen, brauche es die Kirchensteuer. Das Problem: Im Gegensatz zur katholischen Kirche ist der Islam nicht zentral organisiert. Es gibt viele kleine Gemeinden, die teilweise nur schwer unter einen Hut zu bringen sind.

Zudem bleibt man Muslim, auch wenn man aus einer Gemeinde austritt. Murat Kayman vom Ditib Landesverband NRW fürchtet deshalb viele Austritt. "Trotzdem würden sie als Muslime die Dienstleistungen der Moscheen weiter annehmen und nutzen." Im Gegensatz dazu gilt man nicht mehr als Katholik, wenn man aus der Kirche austritt und so die Steuer nicht mehr zahlt.