Brexit um jeden Preis

Johnson wäre lieber tot, als in Brüssel um eine Fristverlängerung zu bitten

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6. September 2019 - 9:23 Uhr

Tot im Graben

Er zieht das durch - bis zum bitteren Ende. Das zumindest kündigte der britische Premier, Boris Johnson, jetzt an. Am Abend sagte er vor Polizeischülern, er läge lieber tot im Graben, als in Brüssel um eine Fristverlängerung zu bitten. Heute entscheidet das Oberhaus in London aber über ein Gesetz, das ihn dazu zwingen soll, genau das zu tun.

Johnson warf Abgeordnete aus der Fraktion

In dieser Woche verlor Boris Johnson vor dem Parlament eine Brexit-Abstimmung nach der anderen. Der Regierungschef fährt einen beispiellos rücksichtslosen Kurs in Sachen EU-Austritt und scheut sich dabei nicht, Brücken einzureißen und mit Konventionen zu brechen. Die ungewöhnlich lange Zwangspause, die er dem Parlament verordnete, war nur der Auftakt. Als sich Abgeordnete aus seiner Tory-Fraktion gegen Johnsons Kurs hin zu einem ungeregelten No-Deal-Brexit stellten, warf er sie kurzerhand aus der Fraktion.

Eigener Bruder warf hin

In der Tory-Partei brodelt es nun. Boris Johnsons eigener Bruder, Jo Johnson, der ebenfalls seit vielen Jahren Politik für die Tories macht, warf am Donnerstag hin. "Ich war in den vergangenen Wochen zerrissen zwischen Loyalität zur Familie und dem nationalen Interesse - es ist eine unauflösbare Spannung", schrieb er. Ex-Vizepremier Damian Green rief Johnson im Namen der etwa hundertköpfigen One-Nation-Tory-Gruppe gemäßigter konservativer Abgeordneter dazu auf, den Rauswurf der Rebellen rückgängig zu machen und bezichtigte Johnson, eine "Säuberung" durchzuführen.

Ob Johnson mit seinem harten Kurs durchkommt, das wird sich am heutigen Freitag zeigen, wenn das Oberhaus über ein Gesetz abstimmt, das den Premier zwingen soll, eben doch eine Fristverlängerung in Brüssel zu erbitten.