Brexit: Das bedeutet Großbritanniens EU-Austritt für deutsche Verbraucher

03. April 2017 - 15:27 Uhr

Viele EU-Richtlinien müssen mit den Briten neu verhandelt werden

Es ist so weit: Die britische Premierministerin Theresa May hat den Brexit mit ihrer Unterschrift unter das Austrittsgesuch eingeläutet. Innerhalb von 24 Monaten müssen die EU und Großbritannien nun tausende Gesetze, Verordnungen und Richtlinien neu verhandeln, bis das Land im März 2019 vorrausichtlich die EU verlässt. Aber was kommt nach dem Brexit konkret auf uns Verbraucher in Deutschland zu? Wir zeigen, mit welchen Konsequenzen Sie rechnen müssen:

1. Werden Produkte aus Großbritannien teurer?

Wir werden wohl damit rechnen müssen. Nicht nur Tee, Orangenmarmelade und Whiskey sind beliebte britische Produkte, die es auch bei uns im Supermarkt zu kaufen gibt. Nach dem EU-Austritt ist Großbritannien vom freien Warenverkehr innerhalb der EU ausgeschlossen. Auf Produkte aus Großbritannien werden deshalb Zölle erhoben, nicht nur bei teuren Autos, sondern auch im Onlinehandel. Außerdem wird für die Unternehmen der bürokratische Aufwand größer. Ergebnis: Die Preise steigen.

2. Brauche ich bald ein Visum, um nach Großbritannien zu reisen?

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Einreisebestimmungen verschärft. Da Großbritannien nie dem Schengener Abkommen beigetreten ist, müssen schon jetzt Deutsche bei der Einreise ihren Pass vorzeigen. Die Frage ist, ob demnächst auch eine Visumspflicht kommt. Sollten die Briten - so wie es bereits Norwegen gemacht hat - dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) beitreten, dürfte sich laut Experten wenig ändern. Wird nur das geplante Freihandelsabkommen abgeschlossen, könnte auch die Visumspflicht Realität werden. Dann müsste man für einen Kurztrip nach London ein Visum beantragen.

3. Was muss ich bei meiner Reise nach Großbritannien sonst noch beachten?

Flüge werden wohl teurer. Ein Grund: Fluglinien mit Sitz in der EU dürfen in jedes andere EU-Land fliegen. Das ist vor allem für die Billigfluglinien wie Ryanair nicht mehr so einfach möglich. Die Regelungen müssen neu verhandelt werden. Im Ergebnis werden aufgrund der höheren bürokratischen Hürden die Preise anziehen. Durch den Brexit verlieren britische Fluglinien ihre Landeerlaubnis in der EU.

Auch werden Reisende von und nach Großbritannien nicht mehr in den Genuss der sehr verbraucherfreundlichen Fluggastrechte kommen, die zum Beispiel die Entschädigung bei Verspätung oder Flugausfall regeln. Ebenso sollten Sie beim Telefonieren mit dem Handy aufpassen: Im Juni 2017 werden die Roaminggebühren innerhalb der EU weitgehend abgeschafft. Das gilt dann nicht mehr für Großbritannien.

4. Ändern sich noch mehr Verbraucherrechte?

Innerhalb der EU gibt es gemeinsame Richtlinien für den Verbraucherschutz. EU-Bürger können so einfacher ihre Rechte durchsetzen, etwa beim Onlinehandel oder bei Reisebuchungen. An diese Richtlinien ist Großbritannien nach dem Brexit nicht mehr gebunden, die entsprechenden Regelungen müssten neu verhandelt werden.

Deutsche, die in Großbritannien leben, werden wohl eine Aufenthaltserlaubnis benötigen

5. Müssen Deutsche jetzt Großbritannien verlassen?

Das nicht. Allerdings müssen deutsche Staatsbürger, die in Großbritannien arbeiten und leben, sich jetzt auf mehr Behördengänge einstellen. Denn für die gilt die Freizügigkeit bald nicht mehr. Die ist ein europäisches Bürgerrecht und garantiert jedem EU-Bürger dort zu arbeiten und zu wohnen, wo er gerne möchte. Es genügt bislang - wie in Deutschland - eine einfache Meldung bei der zuständigen Behörde. Das alles fällt weg. Deutsche, die in Großbritannien leben, werden wohl in Zukunft eine Aufenthaltserlaubnis benötigen. Auch könnte der Zuzug aus EU-Ländern begrenzt werden, was bislang nicht möglich ist.

6. Was bedeutet der Brexit für junge Deutsche?

Vor allem Studenten sind betroffen. Ein Studium auf der Insel ist teuer, allerdings müssen Studenten aus der EU die gleichen Studiengebühren zahlen wie ihre britischen Kommilitonen. Für Studenten, die nicht aus der EU kommen, ist das Studium noch viel teurer. Auch ist es bislang recht unkompliziert möglich, an einen Bildungskredit zu kommen, der von der EU unterstützt wird. Viele Studenten werden nicht mehr im Rahmen des sehr beliebten Erasmus-Programms in Großbritannien studieren können. Denn damit fördert die EU den Studentenaustausch innerhalb der EU. Großbritannien fällt nach dem Brexit nicht mehr darunter.