Brennende Barrikaden in Hongkong

Tausende Demonstranten widersetzen sich dem Protest-Verbot

31. August 2019 - 19:31 Uhr

Die Stimmung in Hongkong ist aufgeheizt

Trotz des Verbots einer Großdemonstration sind wieder Tausende Menschen auf der Straße, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Ganz in der Nähe des Parlaments kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Situation eskalierte, als die Demonstranten versuchten, die Polizeiblockaden zu durchbrechen.

Sicherheitskräfte versprühen blau gefärbtes Wasser

31.08.2019, China, Hongkong: Demonstranten schützen sich mit Regenschirmen vor der Polizei, die mit Wasserwerfern gegen sie vorgeht und die Demonstranten mit blauer Farbe besprüht. Trotz des Verbots einer Großdemonstration kommt es in Hongkong erneut
Proteste in Hongkong
© dpa, Kin Cheung, esz

Aktivisten schleuderten Gegenstände, Steine und Brandsätze. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. Das Wasser war blau eingefärbt. Das soll den Einsatzkräften offenbar helfen, die Protestler später wiederzuerkennen.

Die Demonstranten in Honkong besetzten auch die Hauptverkehrsstraßen rund um das Regierungsviertel der Stadt. In der Nähe eines Polizeireviers wurde eine Barrikade in Brand gesetzt, wie die "Hong Kong Free Press" berichtete. Die Polizei sprach von einer "ungenehmigten Versammlung" und "illegalen Aktionen".

Nach mehreren Festnahmen kochte die Wut in Hongkong hoch

31.08.2019, China, Hongkong: Ein Demonstrant hält eine Tränengasgranate in der Hand. Trotz des Verbots einer Großdemonstration kommt es in Hongkong erneut zu Protesten gegen die Regierung. Foto: Jae C. Hong/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Proteste in Hongkong
© dpa, Jae C. Hong, VT esz

Chinesische Staatsmedien berichteten, dass neue paramilitärische Kräfte nach Shenzhen an der Grenze zu Hongkong verlegt wurden. Nach Angaben der "Gobal Times" soll es sich um "Spezialkräfte" und Personal der "Wujing" genannten paramilitärischen Elitepolizei handeln. Ob die chinesische Regierung die Demonstranten einschüchtern kann, bleibt abzuwarten.

Nachdem mehrere führende Mitglieder der Demokratiebewegung festgenommen wurden, ist die Wut der Demonstranten groß. Der Tag hatte zunächst mit einem friedlichen Marsch begonnen. Viele Menschen "spazierten" nur, wie sie sagten, friedlich auf dem Fußweg. Am späten Nachmittag kam es dann aber zu Straßenblockaden und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Gegen insgesamt neun prominente Köpfe der Bewegung wurde inzwischen Anklage erhoben.

Demonstranten kämpfen gegen den Einfluss der chinesischen Regierung

Seit fast drei Monaten kommt es in Hongkong immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie in ihrem eigenen Territorium als chinesische Sonderverwaltungsregion nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.