Kläger und Beklagte müssen dem Vergleich noch zustimmen

Niere statt Milz entfernt: 90.000 Euro Schmerzensgeld für Kerim Ucar

28. Oktober 2020 - 18:11 Uhr

Kerim Ucar leidet bis heute unter OP-Folgen

Kerim Ucar bekommt 90.000 Euro Schmerzensgeld vom Klinikverbund Gesundheit Nord. Das sieht ein Vergleich der Gütekammer des Landesgerichts Bremen vor. Beide Seiten müssen diesem Vergleich noch zustimmen. Ein Arzt hatte ihm eine gesunde Niere statt der erkrankten Milz entfernt.

„Von den 90.000 Euro verschwinden meine Schmerzen auch nicht“

Kerim
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In der heutigen Verhandlung ging es um die Forderung Ucars nach Schmerzensgeld, Schadenersatz und den Ersatz zukünftiger Schäden durch die Entnahme des falschen Organs. Der Anwalt der Familie verlangte laut "Weserkurier" für seine Mandanten 325.000 Euro, die Gegenseite bot 50.000 Euro.

Die jetzt im Raum stehende Vergleichssumme von 90.000 Euro Schmerzensgeld kann innerhalb der kommenden drei Wochen von beiden Seiten akzeptiert oder abgelehnt werden. Bei einer Ablehung käme der Fall erneut vor Gericht, wegen zu erwartender Gutachten könnte sich ein Prozess sich über Jahre hinziehen, so die Zeitung.

Kerim Ucar geht es nach dem Urteil "immer noch nicht gut", sagte er im Gespräch mit RTL. "Von den 90.000 Euro verschwinden meine Schmerzen auch nicht." Er habe bis heute ständig Bauchschmerzen, könne nicht richtig Sport treiben, so der 21-Jährige. Die Verhandlung lässt ihn unzufrieden zurück. Er sei nicht ein einziges Mal gefragt worden, wie es ihm heute gehe, kritisiert er.

Niere statt Milz entfernt: Langzeitfolgen bis hin zu Dialyse drohen

Wegen der ständigen Schmerzen nehme er permanent Medikamente. Außerdem leider er auch unter psychischen Problemen. So könne er auch seinen Berufswunsch Polizist nicht verwirklichen, sagt er traurig. Deswegen verspüre er auch keine Erleichterung nach der Verhandlung. Er hoffe nur noch, dass die Schmerzen eines Tages aufhören.

Sein Anwalt Hans-Berndt Ziegler macht auf die drohenden gravierenden Langzeitfolgen aufmerksam. Kerim werde unter Umständen lebenslang Schwierigkeiten haben, ihm drohe der Verlust seiner anderen Niere und damit ein Leben als Dialyse-Patient, sagt er. Daher werde man sich auch vorbehalten, die Klinikgesellschaft für künftige Folgekosten haftbar zu machen.

Pfusch-Arzt musste 30.000 Euro bezahlen

Kerim Ucar sollte im Oktober 2017 operiert werden, weil er seit seiner Geburt an einer Störung der Blutkörperchen litt - einer sogenannten Kugelzellenanämie. Deshalb war die Milz vergrößert und seine Fitness eingeschränkt. Da er mehr Sport treiben wollte, hatte sich der junge Mann dazu entschieden, die Milz entfernen zu lassen.

Nach dem schlimmen Operationsfehler hatten seine Eltern Anzeige erstattet. Der Pfusch-Arzt wurde 2019 zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt.