Breitner kontert Watzke - muss das denn sein?

Paul Breitner, FC Bayern
Paul Breitner hat die Aussagen von Hans-Joachim Watzke gekontert.
picture alliance / dpa, Friso Gentsch

Borussia Dortmund legt vor, die Bayern schlagen zurück: Was vor ein paar Monaten noch sportlich hätte gemeint sein können, bezieht sich jetzt nur noch auf einen verbalen Kleinkrieg. Nach dem Vorwurf aus Dortmund, die Münchner wollen den Konkurrenten im sportlichen Sinne zerstören, folgt der verspätete Konter von der Säbener Straße - in bester Kindergarten-Manier.

Man konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als Paul Breitner vor dem Champions-League-Finale zwischen den Bayern und Dortmund im letzten Jahr den Rasen betrat. In einer Ritterrüstung mit Helm unter dem Arm ging es ins Wembley Stadion; an der Seite von Lars Ricken, der die schwarz-gelbe Rüstung trug und den Dortmunder Ritter darstellte. Es wirkte unfreiwillig komisch, was sich die UEFA da ausgedacht hatte, um die sportliche Fehde zwischen den beiden Bundesligisten abzubilden.

Nun, ein paar Monate später, zieht Sir Breitner wieder in den Kampf, wieder gegen den Erzfeind aus Dortmund. Die jüngsten Aussagen von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, die Münchner hätten es darauf abgesehen, Dortmund zu zerstören, indem sie Spielern das Doppelte an Gehalt böten, sei eine Hetze. "Herr Watzke hat vergessen, dass wir letztes Jahr mit 25 Punkten Vorsprung auf Dortmund Meister wurden. Da haben Götze und Lewandowski noch in Dortmund gespielt. Was sollen wir ausschalten?", fragte Breitner beim Pay-TV-Sender 'Sky'.

Der Markenbotschafter des FC Bayern hätte es bei dieser Frage belassen können, doch stattdessen verschärfte sich der Ton. "Wen sollen wir vernichten? Herr Watzke macht einen großen Fehler, er versucht zu hetzen und den Leuten zu erzählen, was völlig an der Wahrheit vorbeigeht", polterte Breitner und erklärte: "Wir müssen versuchen, unseren Zuschauern gegenüber, jedes Jahr ein bisschen besser zu werden. Wir haben doch Manuel Neuer nicht geholt, um Schalke zu killen."

Warum nicht mal die Friedenspfeife auspacken?

Zugegeben, da ist was dran. Aber auch Herrn Watzke, der mächtig auf die Tränendrüse gedrückt hat, kann man verstehen. Logisch wechseln Spieler zu einem größeren Verein, der ihnen auch noch mehr Geld bietet. Aber: Das sind schlichtweg die Gesetzmäßigkeiten des Fußball-Geschäfts. Breitner erklärt das auf seine Art: "Es sollten diese Leute wie Herr Watzke verstehen, was der FC Bayern seit 40 Jahren mit seiner Einkaufspolitik macht. Nämlich niemanden schwächen wollen, nur versuchen, mit den eigenen Mitteln noch besser zu werden."

Beide haben schon Recht mit dem, was sie sagen. Ob das aber noch kommuniziert werden muss und dann auch noch über die Medien, darf bezweifelt werden. Zudem bleibt die Befürchtung, dass Herr Watzke oder einer seiner Dortmunder Kollegen den Konter aus München kontert, worauf dann wohl ein Konter der Bayern folgt - das hatten wir ja alles schon.

Vielleicht wäre es ja gar nicht so verkehrt, wenn beide Parteien die Ritterrüstung demnächst mal im Schrank lassen und dafür die Friedenspfeife herausholen. Dann hätte das Kindergarten-Theater ein Ende und die UEFA könnte im Falle eines Champions-League-Endspiels zwischen Dortmund und den Bayern zwei Indianer aufs Feld schicken, die sich brüderlich die Hand reichen.

Daniel Grochow