Wahr oder falsch?

Braucht Grünkohl eigentlich Frost? Wir überprüfen die größten Grünkohl-Mythen

Grünkohlsaison in Niedersachsen beginnt
Grünkohlsaison in Niedersachsen beginnt
© dpa, Peter Steffen, pst tba

20. November 2019 - 11:04 Uhr

Mit dem Winter kommt die Grünkohlzeit

Um das traditionelle Gericht ranken sich so einige Mythen. Kann man Grünkohl erst nach dem ersten Frost ernten? Und ist das Kochen wirklich so aufwendig? Wir überprüfen die größten Grünkohl-Gerüchte.

Mythos Nummer 1: Grünkohl braucht Frost

Grünkohl gilt als DAS Wintergemüse. Aber muss es gefroren haben, bevor der Kohl geerntet werden kann? Biologe und Kohl-Kenner Christoph Hahn von der Uni Oldenburg erklärt: "Was stimmt ist, dass Grünkohl, je kälter es wird, süßer und zarter wird. Aber letztlich passiert das auch schon bei allgemein kälteren Temperaturen." Ab sieben Grad abwärts stehe der Ernte nichts im Wege. Dieser Mythos stimmt also nicht.

Mythos Nummer 2: Grünkohl ist gesund

Natürlich hängt das davon ab, wie er gegessen wird. Als deftiges Gericht, mit Speck und Mettwürstchen gekocht, wird Grünkohl schnell fettig. Dabei hat der Kohl selbst ordentlich was zu bieten – vor allem Vitamin C. "Grünkohl hat einen der höchsten Vitamin-C-Gehalte aller Gemüse, auch viel mehr als Zitrusfrüchte", beschreibt Hahn. Außerdem stecken im Grünkohl krebsvorbeugende Bitterstoffe, Carotine (gut für die Augen), Flavonoide (gut für das Herz-Kreislauf-System und die Abwehrkräfte) und außerdem cholesterinsenkende Substanzen. Kurz gesagt: Grünkohl ist richtig gesund. Der Mythos ist also wahr.

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Mythos Nummer 3: Grünkohl gibt es nur in Deutschland

Am meisten Grünkohl wird rund um Oldenburg und Bremen angebaut. In ganz Niedersachsen wird auf rund 500 Hektar Grünkohl geerntet. In Schleswig-Holstein sind es gerade einmal 30 Hektar, mit steigender Tendenz. Doch Grünkohl ist alles andere als eine rein norddeutsche Spezialität, sagt Hahn: "Wir finden Grünkohl in Italien, wir finden es in Amerika, eigentlich überall auf der Welt." Insgesamt gibt es über 150 Sorten. Besonders angesagt ist Grünkohl in den USA: Als Superfood "Kale" hat er dort längst die Salatbars und Küchen erobert.Der Mythos ist also falsch.

Mythos Nummer 4: Grünkohl-Kochen ist sehr aufwendig

Auch hier hängt es natürlich davon ab, was daraus werden soll: Als Eintopf braucht der Kohl mehrere Stunden Kochzeit, um gar zu werden. Dabei gehen dann auch viele der wertvollen Inhaltsstoffe verloren. Doch Grünkohl kann auch roh verzehrt werden, ganz einfach als Salat. Als Zutat für einen Smoothie lässt er sich sogar tiefgefroren verarbeiten. Der Mythos stimmt also nicht. Um festzustellen, ob der Kohl frisch ist, gibt es einen einfachen Test: Ist der Grünkohl dunkelgrün und knackt hörbar, wenn die Stängel gebrochen werden, ist er im wahrsten Sinne des Wortes knackfrisch.