Braucht Griechenland den Schuldenschnitt?

Die Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) prüft zurzeit, wie weit Griechenland vom vereinbarten Spar- und Reformweg abgewichen ist.
© dpa, Jens Büttner

20. August 2012 - 6:45 Uhr

Troika-Bericht dürfte katastrophal ausfallen

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Die derzeitige Prüfung der Finanzlage Griechenlands durch internationale Experten wird nach Informationen aus EU-Kreisen zu einem verheerenden Ergebnis führen. Der Schuldenberg sei nicht mehr beherrschbar und ein weiterer Forderungsverzicht unvermeidlich. Die Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) prüft zurzeit, wie weit Griechenland vom vereinbarten Spar- und Reformweg abgewichen ist. Das Ergebnis sei absehbar: Der überschuldete Euro-Staat sei weit vom Kurs abgekommen.

Das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Rettungspaket sollte Griechenland helfen, den Schuldenstand von mehr als 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Frühjahr bis 2020 auf 120 Prozent zu drücken. Nur unter dieser Bedingung beteiligte sich der IWF an der Finanzhilfe. Doch während des monatelangen Wahlkampfs kamen die Reformen und Einsparungen zum Erliegen, während sich die Rezession verschärfte.

Wenn sich jetzt herausstellt, dass die Quote deshalb weit über dieser Marke liegen wird, darf der Fonds einem EU-Vertreter zufolge keinen Beistand mehr leisten. Auf zusätzliche Hilfsmilliarden läuft aber die Forderung der griechischen Regierung heraus, mehr Zeit zum Abbau der Neuverschuldung eingeräumt zu bekommen. "Das müssen die Europäer dann übernehmen."

Größeres Kreditpaket unwahrscheinlich

Deutschland und andere nördliche Euro-Staaten sind bisher aber nicht bereit, für Griechenland ein noch größeres Kredit-Paket zu schnüren. IWF, EU-Kommission und Euro-Länder haben das Land bereits mit knapp 150 Milliarden Euro über Wasser gehalten. Als Alternative komme deshalb ein Forderungsverzicht der staatlichen Gläubiger in Betracht.

Im Frühjahr waren bereits die privaten Geldgeber dazu verpflichtet worden, der Regierung in Athen einen großen Teil ihrer Anleiheschulden zu erlassen. Nun könnten die Euro-Staaten und die EZB auf Forderungen verzichten, die Laufzeiten von Krediten verlängern oder niedrigere Zinsen akzeptieren.

Allerdings sind Auf einige der Euro-Staaten seien entschieden gegen jedwede Erleichterung für Griechenland - vor allem nicht, wenn die eigenen Steuerzahler die Kosten dafür direkt tragen sollten, wie es bei einem Forderungsverzicht der Fall wäre. Solange die politische Bereitschaft hierzu nicht vorhanden ist, ist es fraglich, wie lange Griechenland noch Mitglied der Währungsunion bleiben kann.