Geschmacklos oder okay?

Bratwurstmuseum soll auf früherem KZ-Gelände entstehen!

Gedenkstätte Buchenwald
Das Gelände der Gedenkstätte Buchenwald mit dem Glockenturm und der Figurengruppe von Fritz Cremer. Foto: Jens Kalaene/Archiv
deutsche presse agentur

Gelände gehört privatem Investor

Ein neuer Standort für das Deutsche Bratwurstmuseum: Spricht erst einmal nichts dagegen. Doch muss das Museum gerade an einem Ort entstehen, an dem KZ-Häftlinge Hunger leiden mussten?!

Ja, es gibt tatsächlich ein Bratwurstmuseum. Das liegt momentan in Holzhausen bei Arnstadt und soll von dort nach Mühlhausen umziehen. Ein privater Investor besitzt das Gelände eines ehemaligen KZ-Außenlagers bereits seit 2008. Zuvor war das Gelände im Besitz des Bundes. In dem Lager wurden im 2. Weltkrieg hunderte jüdische Frauen gefangen gehalten. Sie mussten Zwangsarbeit verrichten.

„Ein Standpunkt auf der Fläche einer ehemaligen Baracke jüdischer Zwangsarbeiterinnen ist nicht akzeptabel“, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm. Zwar wolle man keinesfalls verhindern, dass ein neues Bratwurstmuseum gebaut werde. Allerdings sei es wünschenswert, dass ein anderer Standort innerhalb Mühlhausens gefunden werde.

„Bitte nicht an diesem Ort“

Die Gedenkstättenstiftung reagierte zunächst zurückhaltend. „Ich möchte nicht von vornherein ausschließen, dass es möglich ist, bin aber gleichzeitig gespannt, welche Vorschläge gemacht werden, um eine angemessene Form der Erinnerung innerhalb des Nutzungskonzepts zu gewährleisten“, sagte ein Sprecher.

Die Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss sagte: „Das ehemalige Außenlager darf nicht in dieser Form bebaut werden. Das ist unsere Verantwortung, dass wir uns an solchen Orten aktiv mit der Geschichte und mit heutigen Erscheinungsformen des Antisemitismus auseinandersetzen. Das Museum an sich halte ich für gut und witzig und relevant, aber bitte nicht an diesem Ort.“

Das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar war ab Juli 1937 von den Nationalsozialisten errichtet worden. Bis zur Befreiung des Lagers im April 1945 wurden dort und in den 139 Außenlagern fast 280.000 Menschen unter schrecklichen Bedingungen eingesperrt. Zehntausende von ihnen wurden von den Nazis ermordet oder starben an Krankheiten, Hunger oder medizinischen Experimenten.