Brasilianer stürzt mit Flugzeug im Regenwald ab

Überlebender: „Nach 36 Tagen glaubte ich nicht mehr an die Rettung“

09. April 2021 - 18:19 Uhr

Pilot irrt nach Bruchlandung einen Monat durch Amazonas-Gebiet

Der Brasilianer Antonio Sena (36) stürzte mitten im Amazonaswald mit seiner Cessna ab und überlebte. Danach folgte ein mehr als einmonatiger Überlebenskampf im südamerikanischen Regenwald.

In 1.000 Metern Höhe fällt plötzlich das Getriebe aus

Antonio Sena war mit seinem Flugzeug wegen einer Öllieferung im Amazonas-Gebiet unterwegs. Auf dem Weg zu einer Goldmine fiel dann plötzlich das Getriebe des fast 50 Jahre alten Fliegers aus – in gut 1.000 Metern Höhe. Antonio bewahrte die Nerven und steuerte das Flugzeug auf einige Palmen zu. Er habe gehofft, dass er in der Nähe des Flusses landen könnte. Während der Notlandung setzte er einen Notruf ab. Der 36-jährige Antonio schilderte seine unglaubliche Geschichte gegenüber der "New York Times".

Palmen retteten Antonio das Leben

Die Idee mit den Palmen war Antonios Rettung. Die Baumkronen hielten den Flieger davon ab, ungebremst auf den Boden aufzuschlagen. Es habe einige Momente gedauert, bis er realisierte, dass er überlebt hat, beschreibt Antonio. Geistesgegenwärtig habe er sich anschließend eine Taschenlampe, ein Taschenmesser und Streichhölzer geschnappt, um so schnell wie möglich von dem kaputten Flugzeug und den geladenen 600 Litern Öl weg zu kommen. Das Wrack ging tatsächlich kurz danach in Flammen auf.

Er schlug sich durch den Urwald mit gefährlichen Tieren

In den ersten Tagen habe Antonio in der Nähe seines Flugzeugs kampiert. Er habe fest daran geglaubt, dass man ihn finden wird. "Sie flogen direkt über mir, konnten mich aber zwischen den vielen Bäumen nicht sehen", so der Brasilianer. Schreien und Rufen sei erfolglos gewesen. Da er keine andere Wahl hatte, begann er sich selbst durch den Urwald zu schlagen.

Tortur zurück in die Zivilisation

Antonio orientierte sich auf seinem Weg durch den Dschungel an der Sonne. So habe er es geschafft, sich Richtung Osten zu bewegen. Damit ihn nachts nicht ein hungriger Jaguar anfällt, habe er auf Bäumen geschlafen. "Am meisten Angst hatte ich aber vor aggressiven Klammeraffen, die ihr Revier verteidigen", sagt der 36-Jährige. Um nicht zu verhungern, habe er Früchte und Vogeleier gesammelt.

Antonio nimmt im Dschungel 25 Kilo ab

Nach 36 Tagen Überlebenskampf und fast 30 Kilometern durch den Regenwald habe er die Hoffnung aufgegeben, dass ihn jemand retten würde. Ganze 25 Kilo habe er in dem Monat abgenommen. Doch dann hörte er plötzlich das rettende Geräusch: In der Ferne röhrte eine Kettensäge. Kurze Zeit später lief er einer Gruppe von Nusssammlern aus dem nächstgelegenen Dorf in die Arme. Sonst sei die Gruppe nie so tief in den Dschungel gelaufen. Doch durch die schwierige Wirtschaftslage in der Corona-Pandemie seien die Dorfbewohner auf mehr Nüsse angewiesen.

Emotionales Wiedersehen mit seiner Familie

Die Dorfbewohner überbrachten Antonios Mutter die erlösende Nachricht, dass ihr Sohn noch lebt. Seine Familie konnte ihn endlich wieder in die Arme schließen. Antonio ist einfach dankbar, dass er die Tortur überstanden hat. Er habe den Regenwald trotz allem lieben gelernt: "Irgendwo in einer verlassenen Plantage hätte ich kein Wasser und nichts zu essen gehabt. Der Amazonas ist so wertvoll." Den Job als Pilot hängt Antonio jetzt an den Nagel.

Auch interessant