Brandt im Interview: Darum Bayer und nicht Bayern

Bayers Youngster Julian Brandt hat in Leverkusen den nächsten Karriereschritt gemacht.
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27. November 2015 - 15:06 Uhr

Erst das Debüt in der Bundesliga, dann in der Champions League - und das mit 17 Jahren: Julian Brandt hat bei Bayer Leverkusen den nächsten Schritt in seiner Karriere gemacht. Im sport.de-Interview spricht der Youngster über die Gründe für seinen Wechsel nach Leverkusen, seinen rasanten Aufstieg und sein Idol Marco Reus.

Herr Brandt, obwohl es für Bayer momentan nicht rund läuft, dürften Sie mit Blick auf die letzten Wochen ganz zufrieden sein. Vier Kurzeinsätze in der Bundesliga, dazu sogar schon Luft in der Champions League geschnuppert. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Entwicklung?

Ich bin sehr zufrieden. Zu diesem Zeitpunkt schon so regelmäßig bei den Profis dabei zu sein - damit habe ich nicht unbedingt gerechnet. Ich genieße die Zeit und versuche, davon zu profitieren. Meiner Entwicklung kann das nur gut tun.

Wie belastend ist es für Sie als junger Spieler, wenn die Ergebnisse nicht stimmen?

Egal ob jung oder erfahren - kein Spieler mag es, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Ich versuche, mich im Training und im Spiel voll reinzuhängen und meinen Teil dazu beizutragen, dass sich das wieder ändert.

Sportlich sind Sie angekommen, wie sieht es privat aus? Haben Sie eine Wohnung in Leverkusen gefunden oder wohnen Sie noch im Hotel?

Nein, ich habe inzwischen meine eigenen vier Wände.

Wie schwer fällt es, dass die alten Kumpels nicht mehr in Reichweite sind?

Natürlich vermisst man ab und zu den persönlichen Kontakt zu seinen Freunden. Aber wir leben im 21. Jahrhundert. Da kann man schon ganz gut Kontakt halten. Darüber hinaus mache ich auch viel mit meinen Mannschaftskameraden. Das passt alles.

Und mit Spielern wie Simon Rolfes oder Stefan Kießling haben Sie auch gestandene Profis an Ihrer Seite. Inwieweit können Sie von den Erfahrungen der Etablierten profitieren?

Es ist fantastisch, mit solchen Leuten zu trainieren und auch zu spielen. Sie haben immer ein offenes Ohr, geben mir Tipps. Wir haben viele Nationalspieler aus den unterschiedlichsten Ländern. Deren Erfahrungen sind für einen jungen Spieler wie mich viel wert.

Angeblich waren unter anderem auch Borussia Dortmund, der FC Bayern und der FC Chelsea an Ihnen dran. Warum haben Sie sich für Leverkusen entschieden?

Viele sehr junge Spieler haben sich in Leverkusen extrem gut weiter entwickelt. Hier bekommt man die Chance, die man bei anderen Vereinen so früh vielleicht nicht bekommt. Das Konzept in Leverkusen hat mich überzeugt. Das ist ein Top-Verein. Der erste Kontakt war super. Und als ich mir hier alles angeschaut habe, da hat einfach alles gestimmt.

Dank an Wolfsburg und den DFB

Rudi Völler bezeichnete Sie nach Ihrer Verpflichtung als "einer der talentiertesten Nachwuchsspieler im deutschen Fußball". Belasten solche Aussagen oder ist es ein zusätzlicher Ansporn?

Es spornt mich natürlich an. Ich laufe nicht über den Platz und denke an Druck, der auf mir lasten könnte. Ich will Spaß haben, ich will Fußball spielen. Und ich habe noch viel Zeit. Natürlich will ich etwas erreichen. Aber ich sehe die Dinge ganz locker.

Sami Hyypiä lobt vor allem Ihre Schnelligkeit und Technik. Wo liegen sonst noch Ihre Stärken?

Ganz ehrlich: Ich mag mich nicht hierhin stellen und über meine möglichen Stärken reden. Das sollen andere machen, wenn sie es wollen oder müssen.

Und in welchem Bereich ist noch Luft nach oben?

In allen Bereichen. Ich bin 17 Jahre alt…

Sie haben sich von Ihrer Spielweise selbst mal mit Marco Reus verglichen - ein Vorbild für Sie?

Marco Reus ist für mich ein Vorzeigespieler. Ich schaue ihn mir sehr gerne an, aber vergleichen möchte ich mich nicht mit ihm. Wir spielen halt auf der gleichen Position. Er ist einfach ein sehr guter Spieler - ja, deshalb kann ich ihn mir durchaus auch als Vorbild vorstellen.

Wenn man sich Ihren Werdegang anschaut, ist es schon ein bisschen überraschend, dass Sie mit 17 Jahren in der Bundesliga spielen: Bis zu Ihrem 14. Lebensjahr kickten Sie noch für den Bremer Vorortverein FC Oberneuland. Wie erklären Sie sich Ihre rasante Entwicklung?

Ich bin mit 15 Jahren nach Wolfsburg gegangen. Wir hatten dort Spitzenmannschaften, mit tollen Trainern und Verantwortlichen. Ich bin dem Verein wirklich sehr dankbar. Dass es so schnell gehen würde mit meiner Entwicklung, hätte ich selbst nicht gedacht.

Welche Rolle hat der DFB in den letzten Jahren gespielt?

Eine sehr große Rolle. Eine wichtige Erfahrung war die U17-EM 2012. Derartige Turniere bringen einen voran, es gibt wichtige Spiele, in denen man viel lernt. Und es ist immer etwas Besonderes, für die Nationalmannschaft zu spielen.

Im Vergleich zu einigen Ihrer Kollegen in der U19 haben Sie schon in der Bundesliga gespielt. Verstehen Sie sich in der Nationalmannschaft als Führungsspieler?

Ich bin ein Jahr jünger als die meisten, von daher sehe ich mich nicht als Führungsspieler. Wenn allerdings Fragen kommen zur Bundesliga, dann erzähle ich den anderen gerne davon.

In einer paar Monaten wartet mit der U19-EM in Ungarn schon das nächste Highlight. Wie lauten die Ziele für das Turnier?

Zuerst einmal konzentriere ich mich auf die Ziele von Bayer 04 Leverkusen und versuche, hier mein Bestes zu geben. Danach geht es darum, mit der U19 die Eliterunde in Spanien zu gewinnen, um uns für die EM in Ungarn zu qualifizieren. Das ist kein Selbstläufer, sondern die nächste große Herausforderung. Diesen Schritt sollten wir machen, bevor wir uns mit dem nächsten beschäftigen.