Bundesland pfeift auf Inzidenzwert von 100

Lauterbach bekräftigt Brandenburg-Schelte: „Die dritte Welle ist so fast sicher!“

Kein Komplett-Lockdown bei 100er-Inzidenz Brandenburg geht Sonderweg
01:54 min
Brandenburg geht Sonderweg
Kein Komplett-Lockdown bei 100er-Inzidenz

30 weitere Videos

Im Video: Das sagt Karl Lauterbach zu Brandenburgs Notbremsen-Pfusch

Die Corona-Regelungen sind für uns alle schon kompliziert genug. Um trotz der wieder steigenden Infektionszahlen vorsichtige Lockerungen zu ermöglichen, hatten sich die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten vor einer Woche auf eine sogenannte Notbremse verständigt. Damit war auch Angela Merkel einverstanden, die schon während der gesamten Pandemie zu den Vorsichtigen gehört. Diese Notbremse besagt, dass in dem Moment, in dem die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche über 100 steigt, wieder die strengen Corona-Regeln gelten, die seit Montag vorsichtig gelockert werden. Dieser Regelung hatten nach fast zehnstündigen Beratungen alle 16 Ministerpräsidenten zugestimmt.

Ministerpräsident Woidke verteidigt den Brandenburger Weg

Dass ein Bundesland aus dem gemeinsamen Beschluss aussteigt, wird heftig kritisiert. Brandenburg hat als einziges Bundesland keine automatische Rückfallregelung für den Fall steigender Neuinfektionen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verteidigt das Vorgehen: „Wir gehen einen ausgewogenen Weg, der verschiedene Aspekte berücksichtigt.“

In der Brandenburger Corona-Verordnung steht nicht explizit der Wert 100, sondern dass Landkreise und kreisfreie Städte ab einem Inzidenz-Wert von 200 für mindestens drei Tage wieder schärfere Schutzvorkehrungen gegen das Coronavirus anordnen und die Öffnungen und Lockerungen für private Treffen zurücknehmen. Die Landesregierung habe die Lage im Blick und reagiere, sobald sich die Sieben-Tage-Inzidenz landesweit beharrlich der 100 nähere.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor einer dritten Welle

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält diese Strategie für falsch und kritisiert gegenüber RTL die Regelung scharf: „Ich glaube, dass der Beschluss das falsche Signal setzt. Wir haben die 100 gerade erst als Notbremse beschlossen. Und wenn es dann sofort wieder 200 heißt, dann verwirrt das sehr. Ich halte auch Ausnahmen für einzelne Landkreise für falsch. Wenn hier Ausnahmen einführen, dann ist die dritte Welle fast sicher.“

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Linken-Chefin und Patientenschützer sind entsetzt

Auch die Vorsitzende der Linkspartei, Janine Wissler, kann den Brandenburger Weg nicht nachvollziehen. Im RTL/ntv-„Frühstart“ nannte sie die Regelung „ziemlichen Wahnsinn, die das Leben und die Gesundheit von Menschen gefährdet.“ Und Patientenschützer wie Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sind entsetzt: „Beim Impfangebot eines der letzten Bundesländer. Bei den Öffnungsangeboten vorneweg. Mit dieser Strategie fährt die Landesregierung den Schutz der Hochrisikogruppe in Brandenburg vor die Wand.“

Brandenburg liegt beim Anteil der Erstimpfungen an der Bevölkerung im bundesweiten Vergleich auf dem letzten Platz, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Beim Anteil der Zweitimpfungen liegt das Land im Bundesdurchschnitt. Die rot-schwarz-grüne Landesregierung hatte angekündigt, dass die Zahl der Impfungen in den kommenden Wochen deutlich hochgefahren werden soll.

Notbremse 200 ist riskant Linken-Chefin
00:33 min
Linken-Chefin
Notbremse 200 ist riskant

30 weitere Videos