"Ich stehe für alle Fragen zur Verfügung, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe"

Prozessbeginn: Schulleiter soll seine Schüler geschlagen und getreten haben

Der Schulleiter steht wegen Körperverletzung an sieben Kindern vor Gericht.
Der Schulleiter steht wegen Körperverletzung an sieben Kindern vor Gericht.
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03. Februar 2020 - 15:56 Uhr

Daniel B. steht wegen Körperverletzung in 20 Fällen vor Gericht

Der ehemalige Schulleiter der Archimedes-Grundschule in Forst (Lausitz) und Lehrer für Mathematik, Naturwissenschaften und Sport soll von September 2015 bis März 2017 sieben seiner Schüler geschlagen und getreten haben. In Einzelfällen soll es auch zu Tritten und Schlägen ins Gesicht gekommen sein. Beim Prozessauftakt heute bestreitet der 45-jährige Daniel B. die meisten der Vorwürfe.

Ein Vorfall sei ein Unfall, am Rest sei nichts dran

Der Bart ist kurz rasiert, die Haare trägt er nackenlang - dazu ein kurzärmeliges, blaues Jeanshemd. Hinter ihm befindet sich das Fenster des Gerichtssaals und gibt den Blick auf einen Kinderspielplatz frei.

Der Angeklagte Daniel B., selbst Vater von drei Kindern, wirkt ein bisschen aufgeregt, ist dabei aber konzentriert und sehr gut vorbereitet. Er legt eine genaue Historie zu den einzelnen Anschuldigungen vor. Einen Vorfall räumt er als Unfall ein, an allen anderen Vorfällen sei "nichts dran. Da gab es nichts." Deshalb, so beteuert er, stehe er für alle Fragen zur Verfügung, "weil ich mir nichts vorzuwerfen habe".

Lehrer aus Forst entschuldigt sich

Prozessbeginn am Amtsgericht Cottbus
Prozessbeginn am Amtsgericht Cottbus - hier muss sich Daniel B. zu den Vorwürfen der Körperverletzung äußern
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Es sei ihm "ein Bedürfnis, sich mitzuteilen", sagt der Angeklagte vor Gericht. In dem einen Fall handele es sich um einen Unfall mit einem schwer erziehbaren Kind. Laut Daniel B. rannte das Kind unerlaubt aus dem Sportunterricht, woraufhin er es im Treppenhaus zurückholen wollte. Dabei habe er es an der Schulter gegriffen. In diesem Moment habe sich das Kind ungedreht und sei mit der Hand des Schulleiters kollidiert. Zu keiner Zeit sei eine Wunde festgestellt woren. Der Vorfall tue ihm Leid und sei nicht beabsichtigt gewesen.

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Schulleiter muss sich im Beisein des Jugendamtes von seinen Schülern verabschieden

Am 13.02.2017 will der Schulleiter das erste Mal von den Anschuldigungen erfahren haben. "Jeder kann sich wohl vorstellen, wie aufgewühlt man ist, wenn man sowas mitbekommt", sagt er vor Gericht.

Daraufhin habe Daniel B. viele Elterngespräche geführt und sogar die Polizei eingeladen, in den Unterricht zu kommen, um größtmögliche Transparenz zu schaffen. Für ihn sei das Thema damit erledigt gewesen. Bis Oktober 2018 blieb es ruhig, er habe unverändert unterrichtet und die Schule geleitet. Plötzlich kam es zu erneuten Vorwürfen - dieses Mal soll es zu sexuellen Übrgriffen durch ihn gekommen sein.

Der Angeklagte erhielt eine Kontaktsperre, seine Schulleiter- und Lehrtätigkeit legte er ab. "Ich war von einem Tag auf den anderen einfach raus." Es sei ihm sehr schwer gefallen, sich im Beisein des Jugendamtes von seinen Schülern zu verabschieden. Immerhin wurde die Schule erst 2013 gegründet und startete mit nur einer Klasse. Heute gibt es an der Schule über 60 Kinder in mehreren Klassen - Leiterin ist nun die Frau des Angeklagten, die vorher selbst als Lehrerin dort tätig war.

Laut Verteidigung widersprüchliche Aussagen der Kinder

Um kurz vor 12 Uhr reichte die Verteidigung dann einen Antrag für ein aussagepsychologisches Gutachten bei der Befragung der Kinder ein. Bei den sieben Kindern sei es zu widersprüchlichen und schlecht nachvollziehbaren Aussagen gekommen. Zudem habe keines der Kinder ein ärztliches Attest vorweisen können, das die Verletzungen und Taten durch Daniel B. beweist. Mit Hilfe des Gutachtens wolle man prüfen, ob die Kinder im richtigen Rahmen befragt wurden und ob ihre Aussagen vor Gericht verwertet werden können.

Nach der Mittagspause verkündete die Vorsitzende die Unterbrechung des Prozesses und vertagte ihn auf den 17.02.2020. Bis dahin soll geklärt werden, ob das Gutachten zugelassen wird und die Kinder erneut befragt werden müssen. Sollte der Antrag angenommen werden, kann es zu einer mehrmonatigen Aussetzung des Verfahrens kommen.