Brandanschlag am Kölner Hauptbahnhof: Jetzt spricht die Mutter des Opfers

Anschlag am Kölner Hauptbahnhof
In diesem Schnellrestaurant im Hauptbahnhof Köln hat sich der Anschlag ereignet. Nach der Geiselnahme in einer Apotheke im Kölner Hauptbahnhof prüft die Polizei einen Terror-Hintergrund.
mni mge cul, dpa, Oliver Berg

"Likas Stimme war so ruhig"

"Mach dir bitte keine Sorgen, Mama. Es ist alles okay mit mir", hatte die 14-jährige Lika aus Hennef zu ihrer Mutter am Telefon gesagt. Und schon da wusste Julia M., dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmte. "Likas Stimme war so ruhig", erzählte sie dem "Kölner Stadtanzeiger", "so habe ich meine Tochter noch nie sprechen hören." Mit ihrem mulmigen Gefühl sollte sie Recht behalten.

Zehn Prozent ihrer Haut wurden beim Brandanschlag verbrannt

Julia M.s Tochter wurde an jenem 15. Oktober am Kölner Hauptbahnhof Opfer eines Brandanschlags. Der Anruf ihrer da bereits schwer verletzten Tochter kam aus einem Krankenwagen. Der mutmaßliche Täter hatte in einem Fastfood-Restaurant im Bahnhof Benzin ausgeschüttet und dann angezündet. Er war möglicherweise geistig verwirrt. Im Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger" berichtet Likas Mutter, dass zehn Prozent ihrer Haut verbrannt seien. Die 14-Jährige liegt immer noch verletzt im Krankenhaus und wurde kürzlich zum siebten Mal operiert. Die Ärzte hätten Teile ihrer Kopfhaut auf die verbrannten Beine transplantiert, doch immer wieder träten neue Probleme auf, Wunden entzündeten sich.

Mutter des Opfers schildert den Tathergang

Julia M. berichtete, dass Lika an diesem Tag zum ersten Mal allein mit einer Freundin von ihrem Heimatort Hennef nach Köln fahren durfte. "Ich war dagegen", sagte die Mutter. Im Hauptbahnhof angekommen, gingen die beiden Freundinnen ins Schnellrestaurant, um sich dort einen Burger zu holen.

Dabei sei ihrer Tochter auch der 55 Jahre alte Täter aufgefallen, der Flüssigkeit auf den Boden schüttete und eine Pistole vor sich liegen hatte. "Beides hat sie den Verkäufern hinter dem Tresen gesagt", so Julia M. im Interview mit der Lokalzeitung. Die hätten sich daraufhin flüsternd beraten. Dann habe der Mann das Benzin aber auch schon angezündet.

Die anderen Restaurant-Gäste konnten rechtzeitig weglaufen, doch die 14-Jährige rutschte auf der Benzinpfütze aus und fiel hin, ihre Schuhe fingen Feuer, sie erlitt schwere Brandverletzungen.

Einem Passanten gelang es, das Mädchen festzuhalten und ihr die brennenden Schuhe auszuziehen, doch unter Schock riss sie sich von ihm los. "Sie wollte nur weg", erzählte Likas Mutter. Ein weiterer Passant habe sie aufgehalten und ihr die brennenden Socken ausgezogen.

Der Täter, der offenbar psychische Probleme hatte, nahm danach eine Geisel in einer Apotheke. Er wurde schließlich von Polizisten niedergeschossen und liegt seitdem im Koma.