Waldexperte Roberto Maldonado im RTL-Interview

Kann man den verbrannten Regenwald wieder aufforsten?

Regenwaldexperte Roberto Maldonado

30. August 2019 - 8:58 Uhr

Brände im Amazonas: Aufforsten der verbrannten Fläche "relativ einfach"

Viele Menschen machen sich große Sorgen wegen der Brände im Amazonas-Regenwald. Wie schlimm sind die Schäden? Sind die verbrannten Flächen für immer verloren oder lassen sie sich wieder aufforsten? Ja! Sogar mit überschaubarem Aufwand, sagt WWF-Waldexperte Roberto Maldonado.

Aufforsten nach Waldbränden in Brasilien: "Es mangelt an politischem Willem“

Grundsätzlich ist die Aufforstung jederzeit möglich, so Maldonado. Entscheidend dafür sei der politische Wille. "Brasilien hat sich selbst zum Ziel gesetzt, über 12 Millionen Hektar wieder aufzuforsten. Das politische Ziel existiert also. Aber es mangelt derzeit an politischem Willen", erklärt er.

Jahrzehntelang habe Brasilien eine absolut vorbildliche Umweltpolitik gehabt. "70 Prozent aller Schutzgebiete weltweit ausgewiesen – mehr als ganz Asien, Afrika und Lateinamerika zusammen." Das Problem: Diese Ziele haben Vorgängerregierungen beschlossen, sie werden von der aktuellen Regierung unter dem rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro "unterminiert."

"Alles ist besser als Rinderzucht oder Sojaanbau"

27.08.2019, Brasilien, Altamira: Rauch steigt aus dem Regenwald im Amazonas bei einem Brand. In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum
In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren.
© dpa, Leo Correa, LC flm

Dennoch stellt Maldonado klar: "Grundsätzlich können die Flächen wieder hergestellt werden, das geht relativ einfach." Beispiele aus Brasilien und Bolivien zeigten, wie man "sehr naturnahe Wälder" wiederherstellen kann.

Das wirke sich schnell positiv aufs Klima aus: "Weil diese Wälder sehr jung sind und sehr stark wachsen, nehmen sie entsprechend viel Treibhausgas aus der Atmosphäre auf", sagt der Diplom-Forstwirt. Die Bodenerosion kann so schnell gestoppt werden, die Böden könnten wieder genügend Wasser aufnehmen.

Bis wieder ein Urwald mit seinem ganz eigenen Mikroklima und unvergleichlicher Artenvielfalt daraus wird, dauert es allerdings sehr lange. Aber alles sei besser als die Alternativen Rinderzucht und Sojaanbau, sagt er.

"Letztlich ist es im Interesse Brasiliens, den Regenwald zu retten"

27.08.2019, Brasilien, Vila Nova Samuel: Ein Haus steht inmitten von einem von Waldbränden zerstörten Gebiet. In Südamerika wüten derzeit schwere Waldbrände. Vor allem Brasilien, Venezuela, Bolivien und Kolumbien sind von den Feuern betroffen. Foto:
Ein Haus steht inmitten von einem von Waldbränden zerstörten Gebiet.
© dpa, Victor R. Caivano, nwi

Maldonado glaubt fest daran, dass das Problem gelöst werden kann. "Letztlich ist es im Interesse Brasiliens, den Regenwald zu retten, das gibt Anlass zur Hoffnung." Eine wichtige Rolle komme der EU und anderen Handelspartnern des Exportlandes Brasilien zu. "Brasilien hat auf Meinungen von Handelspartner reagiert, das ist die einzig mögliche Herangehensweise", findet er.

Wichtig sei auch hier der politische Wille. "Nachverhandeln!", fordert er. "Freihandelsabkommen nachbessern, Mindeststandards einfordern." Wenn Handelspartner kein Fleisch aus illegalen Rodungen oder von indigenen Territorien mehr akzeptieren, würde Brasilien das unterbinden, ist Maldonado sicher.

Unser Experte Roberto Maldonado ist Diplom-Forstwirt und Südamerika-Referent beim WWF Deutschland. Seit 15 Jahren engagiert er sich für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes.