BP hat geschlampt – Ölpest war vermeidbar

© dpa, Bob Pearson

7. Januar 2011 - 16:44 Uhr

Ähnliche Katastrophe kann jederzeit passieren

Das von Präsident Barack Obama eingesetzte unabhängige Expertengremium zur Untersuchung der größten Umweltkatastrophe der USA kommt zu einem vernichtenden Urteil. Nicht was die Folgen der Ölpest betrifft, die waren für alle sichtbar, auch die Menge des ausgetretenen Öles spricht für sich. Nein, es ist ein vernichtendes Urteil, was die Ursache der Ölpest angeht, ein vernichtendes Urteil unter anderem für BP.

Man hat es geahnt: Die Ölpest im Golf von Mexiko war die Folge von vermeidbaren Fehlern der an der Bohrung beteiligten Unternehmen und Aufsichtsbehörden, so das Gremium laut US-Medienberichten. Demnach resultierten die Fehler zumeist aus Entscheidungen der Firmen, mit denen Zeit- und Kosten eingespart werden sollten. Und noch schlimmer: Solche Fehler könnten wieder passieren, warnen die Experten. Denn zu Beginn der Woche machte die US-Regierung den Weg für Tiefseebohrungen wieder frei.

Zwar gelten seit der Ölpest strengere Auflagen und die betroffenen 13 Unternehmen, neben anderen Shell und Chevron, die ihre Bohrungen wieder aufnehmen dürfen, müssen zunächst noch belegen, dass sie die strengeren Sicherheitsvorschriften erfüllen, aber: Für Bohrungen, die schon liefen, als die Bohrinsel des Ölkonzerns BP im Golf von Mexiko versank, gilt dies nicht in vollem Maße.

Das Desaster hatte am 20. April vergangenen Jahres vor der Küste des US-Staates Louisiana mit der Explosion der Bohrplattform 'Deepwater Horizon' begonnen. 780 Millionen Liter Rohöl flossen ins Meer.

Reihe von gefährlichen und zeitsparenden Schritten

Die Kommission will ihren kompletten Untersuchungsbericht in der kommenden Woche veröffentlichen, ein Kapitel wurde nun vorab publik. Demnach unternahmen der britische Ölkonzern BP, das Schweizer Unternehmen Transocean und US-Firma Halliburton eine Reihe von gefährlichen und zeitsparenden Schritten, ohne die Risiken in Betracht zu ziehen. Vertreter der Unternehmen hätten vor kritischen Entscheidungen auch nicht genügend miteinander kommuniziert, berichtete die 'New York Times'.

Die Fehler lägen im System, heißt es im Expertenbericht. "Ohne erhebliche Reformen sowohl im Vorgehen der Industrie wie auch bei der Regierungspolitik könnten sie sehr gut wieder passieren."

BP hatte die Ölplattform von Transocean geleast, Halliburton war für das Versiegeln des Bohrlochs verantwortlich. Insgesamt werden in dem Untersuchungsbericht neun einzelne Aktionen aufgelistet, die den Firmen halfen, Geld und Zeit zu sparen - ungeachtet dessen, dass weniger riskante Alternativen zur Verfügung standen. So seien etwa nicht genügend Vorrichtungen zur Stabilisierung des Bohrlochs installiert worden. Auch hätten Verantwortliche nicht auf die Ergebnisse von Tests des Materials zur Verschließung des Bohrlochs gewartet und Resultate von Drucktests kurz vor der Katastrophe ignoriert.

Die US-Regierung hatte ihr Verbot von Tiefseebohrungen bereits im Oktober vorzeitig wieder aufgehoben, dabei allerdings strengere Sicherheitsauflagen und eine bessere Überwachung angekündigt. Die Ölindustrie hatte zuletzt beklagt, dass die neuen Regeln zu scharf seien und ihr wegen der neuen, langwierigen Prüfungen neuer Bohrvorhaben hohe Kosten entstünden.