Boykott und lange Lieferzeiten: Amazon führt Bücherkrieg gegen Verlage

07. Juni 2014 - 18:43 Uhr

Amazon fordert 50 Prozent Verkaufs-Erlös

Zurzeit tobt im Netz ein heftiger Streit zwischen Amazon und Verlagshäusern. Für höhere Prozente am Erlös von Büchern übt der Online-Versand Druck auf die Verlage aus. Weigern sie sich auf die Forderung einzugehen, werden sie von Amazon boykottiert - Bücher lassen sich nur noch mit vielen Tagen Wartezeit oder überhaupt nicht mehr bestellen.

Amazon führt einen heftigen Bücherkrieg gegen Verlagshäuser.
Um von Verlagen höhere Prozente zu erzwingen, hat Amazon einige Bücher gesperrt und gibt lange Wartezeiten an.

So wunderte sich Bestsellerautorin Nele Neuhaus, als einige ihrer Bücher auf einmal nicht mehr auf Amazon bestellbar waren. "Ich habe von meinem Verlag erfahren, dass da eine Strategie hinter steckt und war geschockt." Statt vormals 30 Prozent am Verkaufs-Erlös von Print-Büchern fordert Amazon rund 50 Prozent.

Viel mehr als um herkömmliche gedruckte Bücher geht es dem Online-Zwischenhändler aber um E-Books. Auf dem Markt hat der Konzern eine monopolartige Stellung. Für den E-Book-Kunden bedeutet eine Nicht-Listung bei Amazon, dass es die entsprechenden Bücher praktisch nicht gibt. Dem Druck des Zwischenhändlers nachzugeben, bedeutet für Verlage und Autoren enorme Verluste von rund 28 Prozent. "Der Verlag hat nur die Möglichkeit auf die Rabatte einzugehen oder nicht über Amazon zu verkaufen", sagt Alexander Skipis vom Börsenverein des deutschen Buchhandels. "Beides ist existenzgefährdend."