Kleidungsregeln des Weltverbandes bremsen Muslima aus

Boxen: Zeina Nassar will hoch hinaus - kann aber (noch) nicht

18. Januar 2019 - 12:03 Uhr

Zeina Nassar träumt von Olympia

Einen Werbe-Deal und den deutschen Meistertitel im Federgewicht hat Zeina Nassar schon in der Tasche. Bei internationalen Wettkämpfen um Medaillen kämpfen kann sie aber noch nicht. Der Grund: Die Boxerin steigt mit Kopftuch in den Ring.

Mit Kopftuch im Ring

Zeina Nassar hat große Ziele: Europameisterschaften. Weltmeisterschaften. Die Olympischen Spiele. Momentan kann die 20-jährige Muslima ihre sportlichen Träume aber nicht verwirklichen. Denn: Der Boxweltverband AIBA (zuständig für das Amateurboxen) erlaubt es bislang nicht, mit verhülltem Körper und Kopftuch in den Ring zu klettern.

In Deutschland ist das seit 2013 anders – wegen Nassar. Mit ihrer damaligen Trainerin erwirkte sie beim Deutschen Boxsport-Verband eine Regeländerung. Seither dürfen Muslimas in Deutschland mit 'Hijab' und Ganzkörper-Bekleidung boxen. "Wenn das nicht möglich gewesen wäre, hätte ich nicht weitergemacht", sagte Nassar dem Fachblatt BOXSPORT.

Deutscher Boxsport-Verband änderte seine Regeln

Zeina Nassar
Die deutsche Meisterin Zeina Nassar würde nur zu gerne auch international zeigen, was sie drauf hat
© deutsche presse agentur

Dank der DBV-Entscheidung machte Nassar weiter – und wie. Nach fünf Berliner Meistertiteln gewann sie im Oktober 2018 die deutsche Meisterschaft im Federgewicht (bis 57 Kilogramm).

Mit ihrem Talent, da sind sich viele Beobachter einig, ist die Berlinerin mit libanesischen Wurzeln eine echte Medaillen-Hoffnung für das deutsche Frauenboxen bei internationalen Wettkämpfen – wäre da nicht der Dress-Code der AIBA.

Immerhin: Den DBV hat Nassar auf ihrer Seite. "Wir haben einen offiziellen Antrag gestellt, das Thema 'Boxen mit Kopftuch' bei der nächsten Vorstandssitzung der AIBA in Istanbul vom 7. bis 10. Februar auf die Tagesordnung zu nehmen", sagte DBV-Präsident Michael Müller zu RTL.de. Erst danach könne man abschätzen, "wie die Chancen generell für Muslime stehen, auf internationalen Turnieren und Meisterschaften der AIBA und seiner kontinentalen Verbände teilzunehmen."

Nassar wirbt für Nikes Sport-Hijab

Die AIBA ließ auf RTL.de-Anfrage wissen, man werde das Thema auf der Sitzung diskutieren und "sorgfältig prüfen, um die Sicherheit und Gesundheit unserer Athleten, die für die AIBA höchste Priorität hat, zu gewährleisten." 

Während der Boxweltverband zögert, entdeckte Sportartikel-Gigant Nike Nassar schon 2017 als Werbegesicht. Neben amerikanischen Muslimas wirbt die Deutsche für Nikes Sportkopftuch 'Pro Hijab'. Der Stoff auf dem Kopf, das betont Nassar immer wieder, sei weder für sie noch für ihre Gegnerinnen ein Vor- oder Nachteil.

Dass Nassar so beharrlich dafür kämpft, mit Kopftuch zuzuschlagen, gefällt aber längst nicht allen. Dumme und gehässige Sprüche stecke sie aber weg, so Nassar bei einem Dreh mit RTL. "Ich versuche, diese Kommentare einfach zu ignorieren oder sehe sie als Motivation und denke mir: Haha, dir zeig' ich's erst recht. Indem ich einfach weitermache."