Erst Fury, dann Ruiz oder Joshua

Boxen: Wilder greift nach der unumstrittenen Herrschaft im Schwergewicht

November 23, 2019, Las Vegas, Nevada, U.S: November 23, 2019 --- WBC Heavyweight champion Deontay Wilder (L) knocks out
November 23, 2019, Las Vegas, Nevada, U.S: November 23, 2019 --- WBC Heavyweight champion Deontay Wilder (L) knocks out
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28. November 2019 - 16:04 Uhr

Von Martin Armbruster

Deontay Wilder behielt Recht. "Meine Gegner müssen 12 Runden perfekt sein, ich nur zwei Sekunden", hatte der WBC-Weltmeister im Schwergewicht vor seinem Titelfight in Las Vegas gegen Luis Ortiz getönt. Und in der Tat: Ein guter Moment in der 7. Runde reichte Wilder, um seine Krone im MGM Grand zum zehnten Mal zu verteidigen. Mit dem Sieg im Rücken, bläst der 'Bronze Bomber' für 2020 zum Großangriff. Sein Ziel: Die unumstrittene Herrschaft in der Königsklasse des Boxens.

41 Knockouts in 43 Kämpfen

Dabei glänzten bei Wilder in der glitzernden Zockermetropole zunächst nur das extravagante Outfit und die Maske, die der Titelverteidiger bei seinem Marsch zum Ring trug. Der technisch deutlich überlegene Ortiz boxte Wilder nach dem ersten Gong fast nach Belieben aus, lag nach sechs Runden auf den Punktzetteln haushoch in Führung. Gerade einmal neun Prozent seiner Schläge brachte Wilder in der ersten Kampfhälfte an den Mann - ein lächerlicher Wert für einen Weltmeister.

Deontay Wilder kletterte mal wieder in einem extravaganten Outfit ins Seilquadrat
Deontay Wilder kletterte mal wieder in einem extravaganten Outfit ins Seilquadrat
© Imago Sportfotodienst

Aber wen kümmert's, wenn der entscheidende Schlag sitzt?! Im 7. Durchgang machte Ortiz den großen Fehler, dem Amerikaner zu nahe zu kommen. Den Herausforderer auf dem Radar, fackelte Wilder nicht lange. Mit einem fürchterlichen rechten Cross haute er den Kubaner um - es war sein 41. K.o.-Sieg im 43. Profikampf und sein zweiter gegen Ortiz. Schon 2018 hatte Wilder den unbequemen Rechtsausleger vorzeitig ad acta gelegt.

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Rückkampf gegen Fury wohl am 22. Februar 2020

Der 34-Jährige wurde seinem Ruf, der härteste Schläger des Boxsports zu sein, in Las Vegas eindrucksvoll gerecht. Wilders rechte Faust ist sein großer 'Equalizer', sein 'Gehe-zurück-auf-Los-Schlag'. Der WBC-Champion kann - wie gegen Ortiz - jede Runde verlieren. Völlig schnurz. Sobald es einmal richtig 'Bumm' macht, ist Feierabend.

Mit dem Erfolg über den in allen Ranglisten weit oben platzierten Ortiz hat Wilder (2,01 Meter) den Weg zur Giganten-Revanche gegen Tyson Fury (2,06 Meter) geebenet. Teil 2 soll am 22. Februar in Las Vegas stattfinden. Das erste Duell der beiden in Los Angeles hatte Ende 2018 mit einem umstrittenen Remis geendet - viele Beobachter sahen Fury trotz zweier Niederschläge vorne.

Neben Wilders WBC-Gürtel ist ein riesen Haufen Geld im Spiel. Wilder und Fury winkt der Zahltag ihres Lebens, einzig die rivialisierenden TV-Kanäle (Wilder boxt auf Showtime oder Fox, Fury bei ESPN) müssen sich noch einigen.

Fury muss höllisch aufpassen

Rein sportlich dürfte Wilder als Favorit in das Rematch gehen, auch wenn Fury-Trainer Ben Davison, der in Las Vegas als Spion am Ring saß, eilig anmerkte: "Luis Ortiz ist kein Tyson Fury."

Aber: So schwer sich Fury im September bei seinem Punktsieg über den unbekannten Schweden Otto Wallin tat, so schwerer dürfte es der 'Gypsy King' beim zweiten Tête-à-Tête mit Wilder haben. Fury weiß: Passe ich einmal nicht auf, war's das.

Schon im ersten Kampf hatte er bis Runde 12 alles im Griff gehabt, ehe ihn Wilder im Schlussdurchgang von den Beinen holte. Fury rappelte sich zwar auf und schlug gekonnt zurück - der Bodenbesuch und der resultierende Punktabzug kosteten ihn aber den Punktsieg.

"Ein Weltmeister, ein Gesicht, ein Name"

Wilder denkt derweil schon über Fury hinaus. "Ich will eine Titelvereinigung. Das Schwergewicht ist zu klein, um so viele Champions zu haben", sagte der ungeschlagenen WBC-Meister. Heißt: Nach Fury will Wilder den Sieger der Revanche zwischen Andy Ruiz jr. und Anthony Joshua vor die Fäuste.

Ruiz und Joshua treffen am 7. Dezember in Saudi-Arabien aufeinander. Beim 'Kampf in den Dünen' stehen die Titel von WBA, WBO und IBF auf dem Spiel. Sollte sich der Wüstenkönig danach Wilder stellen, ginge es um die Gürtel aller vier anerkannten Weltverbände - die unumstrittene Meisterschaft aller Klassen. Das ultimative Ziel.

Der letzte Schwergewichtler, dem es gelang, alle wichtigen Titel auf sich zu vereinen, war 1999 Lennox Lewis, später teilten die Klitschko-Brüder die Gürtel unter sich auf.

Wilder macht keinen Hehl daraus, dass er sich Ruiz als Gegner wünscht. "Wir sind beide im gleichen Stall (PBC von Box-Guru Al Haymon, die Red.) und könnten das Schwergewicht vereinen. Endlich haben wir die Chance: Ein Weltmeister, ein Gesicht, ein Name: Und der heißt Deontay Wilder."