Kabayel als Zwischenstation?

Fury pfeift auf Wilder und peilt lieber Joshua-Kampf an

Tyson Fury ist Schwergewichts-Weltmeister des WBC
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14. Oktober 2020 - 23:05 Uhr

"Gypsy King" hat genug von Wilder

Obwohl er vertraglich dazu verpflichtet ist, will Schwergewichts-Champion Tyson Fury auf ein drittes Duell mit Deontay Wilder pfeifen. Stattdessen plant der Engländer Anfang Dezember einen (Aufbau-)Kampf in seiner Heimat. Als Gegner wird auch ein Deutscher gehandelt. 2021 soll es dann zum Superfight zwischen Fury und Thron-Rivale Anthony Joshua kommen.

Arum: "Es braucht keine Raketenwissenschaft"

Wegen der Corona-Pandemie und den damit in den USA verbundenen Einschränkungen für Sport-Events ist Fury die Lust auf ein "Rubber Match" gegen Wilder vergangen. Furys US-Promoter Bob Arum sagte der AP, der Weltmeister lehne es auch ab, den für 19. Dezember angedachten dritten Teil zu verschieben, etwa auf Ende Januar, Anfang Februar 2021.

Stattdessen wolle Fury am 5. Dezember auf der Insel kämpfen, um fit zu bleiben. Im kommenden Jahr peile sein Schützling dann direkt ein Gefecht mit Landsmann Joshua an, so Arum.

Die Promoter-Legende (arbeitete schon mit Muhammad Ali zusammen) fürchtet nicht, dass die Verhandlungen zwischen Fury und Joshua zu kompliziert werden könnten. "Es braucht keine Raketenwissenschaft, um den Deal zu machen", sagte der 88-Jährige. Der Vereinigungskampf werde wahrscheinlich in Großbritannien oder im Nahen Osten stattfinden. "Es hängt davon ab, ob Fans teilnehmen können", so Arum.

Boxing - Deontay Wilder v Tyson Fury - WBC Heavyweight Title - The Grand Garden Arena at MGM Grand, Las Vegas, United States - February 22, 2020 Tyson Fury knocks down Deontay Wilder during the fight REUTERS/Steve Marcus     TPX IMAGES OF THE DAY
Im Februar vermöbelte Tyson Fury den zuvor ungeschlagenen WBC-Champion Deontay Wilder
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Kabayel oder Wallin werden als Fury-Gegner gehandelt

Gegen wen Fury im Dezember boxt, steht noch nicht fest. Als möglicher Herausforderer ist auch Ex-Europameister Agit Kabayel im Gespräch. Der Deutsche steht wie Fury bei Arums Boxstall "Top Rank" unter Vertrag. Denkbar ist auch, dass Fury dem Schweden Otto Wallin eine Revanche einräumt. Wallin hatte dem "Gypsy King" im September 2019 einen tiefen Cut über dem rechten Auge verpasst.

Nicht wenige Beobachter waren sich nach dem Blutbad von Las Vegas einig, dass der Ringrichter den Kampf nur deshalb nicht abbrach und Wallin zum Sieger erklärte, um Furys zweites Duell mit Wilder zu retten. Dieses fand schließlich Anfang diesen Jahres in Las Vegas statt – mit eindeutigem Ausgang: Fury vermöbelte Wilder nach Strich und Faden, knöpfte dem "Bronze Bomber" die WBC-Krone ab. 

Trotz der klaren Pleite zog der gestürzte Wilder eine vertraglich verankerte Klausel, die seinen Peiniger zu einem dritten Duell verpflichtet. Pfeift Fury jetzt darauf, dürfte er von Wilders Anwälten hören.

Sportlich macht Teil 3 der Schwergewichts-Saga allerdings nicht unbedingt Sinn – zu eindeutig war Furys Februar-Triumph. Der Brite hatte Wilder schon Ende 2018 ziemlich alt aussehen lassen, nur ein fragwürdiges Remis verhinderte damals die Krönung von Furys märchenhaftem Box-Comeback.

14.09.2019, USA, Las Vegas: Boxen: Schwergewicht, Fury (Großbritannien) - Wallin (Schweden). Tyson Fury (l) kämpft gegen Otto Wallin. Foto: Isaac Brekken/FR159466 AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auge zu und durch: Gegen den Schweden Otto Wallin wurde es für Fury völlig unerwartet brenzlig.
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Joshua muss gegen Pulev ran

Umso interessanter – und finanziell weitaus attraktiver – wäre ein Vereinigungskampf zwischen Fury und Joshua. Bei dem britischen Blockbuster könnte es um alle WM-Titel der wichtigen Box-Verbände gehen.

Fury ist WBC-Champion und hat zudem den Status des "linearen" Weltmeisters, Joshua trägt die Gürtel von WBA, WBO und IBF. Die englischen Thron-Rivalen hatten sich schon vor einigen Monaten auf die finanziellen Eckdaten für zwei Kämpfe im Jahr 2021 geeinigt, was Arums Raketenwissenschafts-These untermauert.

Joshua tritt am 12. Dezember in London zu seiner IBF-Pflichtverteidigung gegen den Bulgaren Kubrat Pulev an. Der Kampf sollte eigentlich im Juni im Stadion von Tottenham Hotspur stattfinden, war aufgrund der Coronavirus-Pandemie aber verschoben worden.

RTL.de/dpa