Maskierte Ringrichter und Nummern-Girls

Trotz Corona-Pandemie: In Nicaragua wird weiter geboxt

27. April 2020 - 8:44 Uhr

Box-Abend mit strengen Kontrollen

Da bekommt der alte Box-Begriff "den Gegner auf Distanz halten" eine ganz neue Bedeutung. In Nicaragua wird trotz der Corona-Pandemie weiterhin geboxt. Mit strengen Einlasskontrollen, maskierten Ringrichtern und "social distancing" auf den Rängen.

Temperatur-Checks und Desinfektion am Eingang

Fast überall auf der Welt ruht der Sport. Nicht so im mittelamerikanischen Nicaragua. Fußballspiele werden vor leeren Rängen ausgetragen, und auch Boxveranstaltungen finden statt.

Am Samstagabend etwa gab es in der Hauptstadt Managua einen Kampfabend mit acht Duellen im Ring. Ohne Corona-Maßnahmen ging das Event allerdings nicht über die Bühne.

Die Zuschauer mussten sich am Eingang die Hände desinfizieren, außerdem wurde die Temperatur der Boxfans gemessen. In der Halle mussten sich die Zuschauer dann in bestimmtem Abstand voneinander auf ihre Plätze setzen.

Kurios: Die Boxer marschierten mit Gesichtsmaske in den Ring, legten diese erst innerhalb des Seilgevierts ab. Die Ringrichter und die Nummern-Girls trugen den Mund-Nasen-Schutz dagegen auch "im Einsatz".

MANAGUA, NICARAGUA - APRIL 25: Nicaraguan Boxers wearing face masks get ready in the locker rooms at Alexis Arguello Sports Center on April 25, 2020 in Managua, Nicaragua. Nicaragua is one of the very few countries that allow sport events during the
Die Boxer machten sich mit Mund-Nasen-Maske warm, liefen auch damit zum Ring
© Getty Images, Bongarts, FDD
Boxing - Bufalo Boxing - Polideportivo Alexis Arguello, Managua, Nicaragua - April 25, 2020   Fans wearing protective face masks are seated with social distancing, despite most sport being cancelled around the world as the spread of the coronavirus d
Die Zuschauer am Ring durften die Kämpfe nur mit Sicherheitsabstand verfolgen
© REUTERS, OSWALDO RIVAS, cpg

Kaum Maßnahmen gegen Covid-19 in Nicaragua

Box-Promoter Rosendo Alvarez – El Bufalo genannt – erklärt, warum trotz der Pandemie die Fäuste fliegen. "Nicaragua ist ein armes Land. Die Boxer müssen essen", so der Büffel.

In dem Land in Mittelamerika (rund sechs Millionen Einwohner) gibt es laut offiziellen Angaben bisher nur zwölf bestätigte Corona-Infektionen und drei Todesfälle, die in Zusammenhang mit Covid-19 stehen.

Epidemiologen und Organisationen wie Amnesty International kritisieren, dass Nicaraguas Regierung kaum Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergreife. Beispiel: Sportveranstaltungen, die nach wie vor stattfinden.

Kleines Land, große Boxer

Boxen ist in Nicaragua, wie überhaupt in Mittel- und Lateinamerika, ein äußerst populärer Sport. Mit Alexis Arguello (Weltmeister in Feder, Superfeder- und Leichtgewicht) hat das kleine Land einen der größten Faustkämpfer der Geschichte herausgebracht.

In den vergangenen Jahren wurde Roman "Chocolatito" Gonzalez in Nicaragua zum Volkshelden. Er gewann WM-Gürtel im Fliegen- und Superfliegengewicht und führte lange Zeit bei vielen Fachpublikationen die Pound-for-Pound-Rangliste der gewichtsklassenübergreifend besten Boxer der Welt an.

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