Riesenchance für "Hafen-Basti"

Boxen: Formella trifft im August auf US-Star Porter

Der Hamburger Boxer Sebastian Formella bejubelt seinen Sieg. Foto: Axel Heimken/dpa
© deutsche presse agentur

28. Juli 2020 - 15:42 Uhr

Formella in Los Angeles gegen Porter

Offiziell firmiert Sebastian Formella zwar schon als IBO-Weltmeister im Weltergewicht. Da viele Titel im Boxen aber mehr Schein als Sein sind, trifft der 33-jährige Hamburger erst jetzt zum ersten Mal auf einen echten Weltklasse-Gegner. Wie das Management des Boxers auf Anfrage von RTL/ntv bestätigte, kämpft Formella am 22. August in den USA gegen Ex-Champion Shawn Porter. Für "Hafen-Basti" ist es die Chance seines Lebens – er fliegt als krasser Außenseiter über den Großen Teich.

Porter ein Weltklasse-Mann

Laut Formellas Manager Steffen Soltau findet der Kampf in Los Angeles statt, einzig die Halle sei noch nicht sicher. Der US-Sender Fox werde das Duell in den USA übertragen, Formellas IBO-Titel stehe allerdings nicht auf dem Spiel.

Porter steigt als haushoher Favorit in den Ring: Der 32-jährige Amerikaner war im Limit bis 66,7 Kilogramm schon zweimal Weltmeister bei großen Verbänden (WBC und IBF). In seinem letzten Kampf verlangte Porter – Kampfname "Showtime" – dem Ausnahme-Boxer Errol Spence über 12 Runden alles ab, verlor nur hauchdünn nach Punkten.

Zudem stand der Linksausleger schon mit Weltkasse-Leuten wie Danny Garcia, Keith Thurman oder Kell Brook im Seilgeviert.

Shawn Porter machte zuletzt Ausnahme-Boxer Errol Spence die Hölle heiß
Shawn Porter machte zuletzt Ausnahme-Boxer Errol Spence die Hölle heiß
© Imago Sportfotodienst

Formella ist Deutschlands Box-Liebling

Einen vergleichbaren Faustkampf-Lebenslauf kann Formella (noch) nicht vorweisen. Zwar ist der 33-Jährige in 22 Kämpfen ungeschlagen (10 K.o.-Siege) und trägt seit 2019 den IBO-WM-Gürtel. Einen Gegner vom Kaliber Porter hatte Formella aber noch nicht vor den Fäusten. Der kleinere Weltverband IBO gilt in der internationalen Szene zudem als unbedeutend, was sich auch daran zeigt, dass Formella den Titel im Falle einer Niederlage behält.

Für Formella ist sein US-Debüt dennoch eine riesen Chance. Mit einer starken Leistung kann sich der Hamburger in Amerika einen Namen machen. Schafft er gar die Sensation, würden Formella Duelle mit Superstars wie Terence Crawford oder Spence winken.

Bei den deutschen Boxfans ist Formella wegen seines Kämpferherzens und seiner ehrlichen Art der Publikumsliebling. Neben seiner Box-Karriere verdient er seinen Lebensunterhalt als Hafenarbeiter in den Hamburger Docks – daher der Spitzname "Hafen-Basti".

Wegen Corona-Bestimmungen Training in Istanbul

Formella war zuletzt im Januar aktiv, als er vor heimischer Kulisse in Hamburg Roberto Arriaza aus Nicaragua über 12 Runden klar nach Punkten bezwang.

Im Ring besticht der Blondschopf durch schnelle Hände und eine gute Beinarbeit. Ob das gegen Porter reichen wird, ist fraglich. Immerhin: Formella (1,80 Meter) ist deutlich größer als sein Gegner (1,70 Meter).

"Natürlich weiß ich, dass ich als klarer Außenseiter in den Kampf gehe. Aber wir haben bereits einige Möglichkeiten entdeckt, wie ich Porter das Leben schwer machen kann", sagte der Uderdog dem "Hamburger Abendblatt".

Wegen Corona gilt in den USA ein Einreiseverbot für Menschen aus Deutschland oder einem anderen Schengenstaat, wenn sie sich 14 Tage vor der Einreise dort aufgehalten haben. Daher ist Formella mit seinem Trainer Mark Haupt nach Istanbul geflogen und trainiert im Besiktas-Gym. Am 10. August geht es nach Las Vegas für die letzte Phase der Vorbereitung.