Menschenrechtler entsetzt

Revanchekampf zwischen Joshua und Ruiz in Saudi-Arabien

Anthony Joshua (r) unterlag überraschend gegen Andy Ruiz Jr. und verlor seine Titel. Foto: Nick Potts/PA Wire
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10. August 2019 - 11:50 Uhr

Joshua vs. Ruiz II in der Wüste

Menschenrechtler sind entsetzt, Box-Fans schlagen die Hände vorm Gesicht zusammen: Der Revanchekampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen Andy Ruiz Jr. und Anthony Joshua findet nicht etwa im Box-Mekka New York statt. Stattdessen schwingen die Kontrahenten in der Nähe des echten Mekka die Fäuste - in Saudi-Arabien.

'Kampf in den Dünen'

Boxing - Anthony Joshua v Andy Ruiz Jr - WBA Super, IBF, WBO & IBO World Heavyweight Titles - Madison Square Garden, New York, United States - June 1, 2019   Anthony Joshua is given the count  Action Images via Reuters/Andrew Couldridge       TPX IMA
Anthony Joshua musste gegen Andy Ruiz viermal auf die Bretter, ehe der Ringrichter den Kampf abbrach
© Action Images via Reuters, ANDREW COULDRIDGE

Wie Joshua-Promoter Eddie Hearn mitteilte, findet Teil 2 des Duells am 7. Dezember in Diriyya nahe der saudischen Hauptstadt Riad statt - angepriesen als 'Kampf in den Dünen'.

Ruiz hatte Joshua am 1. Juni im New Yorker Madison Square Garden sensationell vom Schwergewichts-Thron gestürzt. Der Sieg des 1:15-Außenseiters war eine der größten Sensationen der jüngeren Boxgeschichte. Das selbst ernannte "kleine, fette Kind" schlug den Adonis aus England viermal zu Boden und gewann durch Technischen K.o. in Runde 7. Mit dem Triumph im 'Big Apple' krönte sich der 29-jährige Ruiz zum ersten mexikanischen Schwergewichts-Champion der Geschichte.

Ursprünglich sollte die Revanche in Großbritannien in einem Fußball-Stadion stattfinden. Die Pläne von Promoter Hearn, den Fight in Cardiff zu veranstalten, lehnte Ruiz' Management allerdings ab, brachte stattdessen eine Faust-Fiesta in Mexiko ins Spiel.

Amnesty International: Saudis wollen ihr Image reinwaschen

Weil sich die Lager der Boxer nicht einigen konnten und Hearn New York als neutralen Schauplatz ablehnte, kam dem spitzfindigen Promoter ein Angebot aus dem Nahen Osten gerade recht. Hinter dem 'Dünen-Clash' stehen neben dem offiziellen Eventpartner Skill Challenge Entertainment mehrere saudische Sport-Organisationen. Medienberichten zufolge blättern die Saudis 100 Millionen Dollar für den Titelkampf in der Wüste hin.

Dass Geld im Preisboxen alles schlägt, ist eine Binse. Menschenrechtler sind dennoch entsetzt, schließlich herrscht im Königreich Saudi-Arabien eine fundamentalistische Auslegung des Islam. Amnesty International wirft der Herrscherfamilie vor, Menschenrechte mit Füßen zu treten und brutal gegen Oppositionelle vorzughehen. Das Foltern Gefangener sei üblich, außerdem vollstreckten die Behörden "exzessiv" Todesurteile, so die Menschenrechtsorganisation in ihrem aktuellen Report.

Die Wüsten-WM im Schwergewicht sei "eine weitere Gelegenheit für die saudischen Herrscher, ihr heftig angeschlagenes Image durch Sport reinzuwaschen", kritisierte Felix Jakens, Kampagnenchef von Amnesty International UK.

Trotz einiger längst überfälliger Reformen in Sachen Frauenrechte gingen die saudischen Behörden nach wie vor umfassend gegen Frauenrechtler, Anwälte sowie die schiitische Minderheit des Landes vor, so Jakens. Im Bürgerkrieg im Jemen bombardiere die saudisch geführte Militärkoalition zudem Häuser, Krankenhäuser und Marktplätze - "mit entsetzlichen Folgen für die jemenitische Bevölkerung".

Viele Joshua-Fans dürften zuhause bleiben

Auch viele Box-Fans werden über die Wahl des Schauplatzes alles andere als begeistert sein. Große Box-Kämpfe finden in der Regel in New York, Las Vegas, aber auch in England, dem Mutterland des Faustkampfes, statt. Einen Flug nach Saudi-Arabien dürften auch Joshuas treue Fans, die ihn in Scharen nach New York begleitet hatten, stecken lassen. 

Joshua scheint die Kritik egal zu sein. Der 29-Jährige twitterte lediglich: "Neutraler Grund - lass uns kämpfen." Details zu der Veranstaltung sollen am Montag in einer Pressekonferenz verkündet werden.