"Mieses Spiel"

Nach geplatztem WM-Kampf: Charr keilt gegen Don King

© deutsche presse agentur

29. Januar 2021 - 13:34 Uhr

Boxen: Charr sieht sich von King ausgebootet

Der geplante Comeback-Kampf von Mahmoud Charr in Florida (USA) ist ins Wasser gefallen. Der "Koloss von Köln" schießt nun gegen Box-Promoter und Starkstromfrisurträger Don King. Dieser habe ein "mieses Spiel" mit Charr gespielt.

Charr: "Er wusste, dass er viel Geld verliert"

Eigentlich hätte Charr am Freitag gegen den Amerikaner Trevor Bryan um den sogenannten "regulären" WM-Gürtel des Verbandes WBA kämpfen sollen. Dazu kam es aber nicht. Gründe waren nicht unterschriebene Verträge und ein falsches Visum.

"Don King hat nicht das Hard-Rock-Hotel oder eine andere Halle gemietet, keine Verträge unterschrieben und keinen TV-Vertrag gehabt. Er hat ein mieses Spiel mit mir gespielt", sagte Charr nach seiner Rückkehr aus Florida dem Kölner "Express".

Charrs Vorwurf: "Er wollte nie diesen Kampf gegen mich machen, weil er wusste, dass er viel Geld verliert, wenn ich seinen Boxer schlage."

Boxpromoter Don King feiert seinen 80. Geburtstag.
Don King sieht die Schuld - natürlich - nicht bei sich
© DPA

Was war da los in Florida?

Die WBA hatte den 29. Januar als Deadline für das Gefecht zwischen dem "regulären" WBA-Weltmeister Charr und "Interims"-Champion Bryan festgelegt. Bryans Promoter Don King hatte die Rechte an der Veranstaltung 2020 für zwei Millionen Dollar erworben. Der Kampf sollte am Freitag im Hard Rock Hotel & Casino in Hollywood/Florida stattfinden.

King macht die Charr-Seite für die Absage verantwortlich. Charr habe nicht das nötige P1-Visum erhalten, um in den USA einen Profikampf zu bestreiten. "Das Visum, das er bekommen hat, erlaubt ihm in die USA zu reisen, aber sein Antrag für ein P1-Visum steht noch aus. Wenn er ein P1-Visum erhält, könnte er boxen, ohne geht es nicht", sagte Carl King, Anwalt und Sohn des berüchtigten Promoters, zu "Boxingscene".

Dürfen beide ihre Titel behalten?

Laut dem Fachblatt zeigten Unterlagen jedoch, dass Charrs P1-Visum bereit sei, zur Genehmigung fehle nur noch ein von King gegengezeichneter Vertrag für den Kampf des Syrers in den USA. Als veranstaltender Promoter sei King zudem für Visa-Angelegenheiten verantwortlich gewesen.

Die WBA hat noch nicht auf das Chaos reagiert. Laut den Verbandsbossen hätte der Kampf zwischen Charr und Bryan zwingend bis 29. Januar stattfinden müssen. Offen ist, ob beide Boxer ihre Titel behalten dürfen. Dass die WBA Kings Wunsch nachkommt und Charr vorläufig zum "Ruheständler" macht, ist ohne weiteres denkbar.

Allerdings müsste der Verband Charr dann die Chance geben, später wieder um den Titel zu boxen – auch, um eine Klage vor Gericht abzuwenden. Eine solche hat die WBA schon seit Jahren in Form von Box-Opa Fres Oquendo an der Backe. Dem Puerto-Ricaner hatte der Verband jahrelang einen WM-Kampf versprochen – ohne, dass es je dazu kam.

Auch interessant