Box-Posse wird immer verrückter

Klage vor Gericht: Box-Opa will Charrs "WM"-Kampf verhindern

Mahmoud Charr hat seit fast vier Jahren nicht mehr geboxt
© dpa, Yuri Kochetkov, yk ss nic

27. Januar 2021 - 11:16 Uhr

Fres Oquendo ist zurück - vor Gericht

Mahmoud Charr hat es nicht leicht: Seit 2017 stand der Schwergewichtler nicht mehr im Ring, am Freitag soll er seinen WBA-"WM"-Titel in Florida endlich gegen den Amerikaner Trevor Bryan (seit 2018 inaktiv) verteidigen. Dessen Promoter Don King aber will Charr mit einer Petition absägen. Um den Absurditäten-Stadl zu vollenden, kommt jetzt auch noch Fres Oquendo ums Eck: Der ist fast 48, hat seit 2014 (!) nicht mehr geboxt – und will Charrs Kampf ebenfalls verhindern.

Box-Opa will Titelkampf erzwingen

Wie "Boxingscene.com" berichtet, hat Oquendo schon am 15. Januar vor einem Bezirksgericht in Illinois eine einstweilige Verfügung eingereicht, um den für Freitag geplanten Kampf zwischen dem sogenannten "regulären" WBA-Weltmeister Charr und WBA-"Interims"-Champion Trevor Bryan (USA) zu verhindern.

Stattdessen soll das Gericht verfügen, dass Box-Opa Oquendo als nächstes gegen Charr kämpft. An dieser Stelle werden Sie zurecht sagen: "Hääääääh?"

Also, der Versuch einer Erklärung: Oquendo liefert sich seit Jahren einen juristischen Streit mit der WBA. Der Verband hatte ihm nach seiner umstrittenen Punktniederlage 2014 gegen den damaligen Titelträger Ruslan Chagaev eine weitere Titelchance versprochen.

Fres Ouendos letzter Kampf: Im Juli 2014 unterlag er Ruslan Chagaev in Grosny umstritten nach Punkten.
Fres Ouendos letzter Kampf: Im Juli 2014 unterlag er Ruslan Chagaev in Grosny umstritten nach Punkten.
© Imago Sportfotodienst

Allerdings bekam Oquendo weder eine Revanche gegen Chagaev noch sonst einen "WM"-Kampf. "The Big O" stand seit dem Chagaev-Fight nicht mehr im Ring, wird im April 48. Aus rechtlichen Gründen hielt ihn die WBA jahrelang unter den Top 15 ihrer Rangliste, um Oquendo gemäß ihrer Statuten als WM-Herausforderer bestimmen zu können – für den Fall der Fälle.

Fres Oquendo kämpfte in seiner Karriere dreimal um einen WM-Gürtel im Schwergewicht
Fres Oquendo kämpfte in seiner Karriere dreimal um einen WM-Gürtel im Schwergewicht
© Imago Sportfotodienst

Kämpfe gegen Briggs und Charr fielen ins Wasser

Im Laufe der Zeit versprach die WBA Oquendo erst einen "WM"-Kampf gegen Ex-Klitschko-Pöbler Shannon Briggs, dann 2018 ein Duell mit Charr, nachdem der 2017 den "regulären" Titel gewonnen hatte.

Weil aber sowohl Briggs als auch Charr mit Steroiden erwischt wurden, kam Oquendo nie zum Zug. Der Puerto-Ricaner verklagt die WBA daher seit geraumer Zeit auf Schadensersatz. Wenigstens aber will er jetzt eine Titelchance gegen Charr gerichtlich erzwingen.

Charr vs. Bryan steht in den Sternen

Damit steckt Charr mal wieder mittendrin in einer veritablen Box-Posse. Denn: Sein für Freitag im Hard Rock Hotel & Casino zu Hollywood, Florida geplanter Kampf gegen Bryan steht sowieso in den Sternen.

Zum einen versucht Bryan-Promoter Don King, der die Veranstaltungsrechte inne hat, Charr durch eine Petition an die WBA auszubooten. Der Starkstromfrisurenträger will, dass Bryan gegen seinen Schützling Bermane Stiverne um den Gürtel des Verbandes boxt.

Zum zweiten wusste im Hard Rock Hotel & Casino bis zuletzt niemand, dass dort am Freitag ein Boxabend stattfinden soll. Obschon King – der in seinen 89 Lebensjahren schon viel erzählt hat - versichert, alles sei geregelt.

Zum dritten hat Charr jetzt wohl auch noch ein Visa-Problem. Laut "Boxingscene" bekam er zwar ein Reise-Visum für den Trip in die USA. Allerdings fehle dem 36-Jährigen ein P1-Visum, das nötig ist, um in den USA beruflichen Tätigkeiten nachzugehen.

Einen simplen Fakt gibt es bei all dem Wirrwarr immerhin doch: Sportlich ist der im wahrsten Sinne des Wortes umstrittene "reguläre" WBA-WM-Titel völlig wertlos. Der wahre WBA-Weltmeister – vom Verband aus Panama "Superchampion" getauft – heißt schließlich Anthony Joshua. Und der agiert bekanntlich in einer anderen Liga als die Kings, Charrs, Bryans und Oquendos.