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Boxen: Felix Sturm wegen Körperverletzung und Dopings angeklagt - Haftstrafe droht

Die Box-Profis Sturm aus Deutschland und Tschudinow aus Russland kämpfen am 09.05.2015 in der Festhalle in Frankfurt am Main (Hessen) um den Titel der World Boxing Association (WBA) im Supermittelgewicht. Felix Sturm taumelt durch den Ring. Foto: Bor
Felix Sturm wurde nach seinem letzten Kampf im Jahr 2016 des Dopings überführt © dpa, Boris Roessler

Staatsanwaltschaft Köln klagt Sturm an

Felix Sturm holt seine Vergangenheit als Doping-Sünder ein. Die Staatsanwaltschaft Köln hat den früheren Box-Weltmeister angeklagt. "Selbstdoping, Teilnahme an einem Wettkampf unter Selbstdoping und gefährliche Körperverletzung", lauten die Vorwürfe, wie das Kölner Landesgericht bestätigte.

Sturm im letzten Kampf der Karriere gedopt

Sturm war nach seinem Sieg im Februar 2016 gegen den Russen Fedor Chudinov mit der anabolen Substanz Hydroxy-Stanozolol erwischt worden. Sowohl die A- als auch die B-Probe waren positiv. Eine Sperre bekam der heute 39-Jährige aber weder vom Boxverband WBA (Sturm gewann gegen Chudinov den WBA-Gürtel im Supermittelgewicht) noch vom Bund Deutscher Berufsboxer (BDB). Sturm hatte seinen WBA-Titel im Oktober 2016 niedergelegt und stand seither nicht mehr im Ring.​

Parallelen zum Fall Manuel Charr

"Wir vom BDB haben die Testergebnisse damals gar nicht bekommen. Wir hatten auch gar nicht die Hoheit über das Verfahren", sagte BDB-Präsident Thomas Pütz auf Nachfrage von RTL.de. Sturm habe sich im Rahmen des "WBA-Testings" einer freiwilligen Doping-Probe unterzogen, die in den USA von einer Privatorganisation untersucht worden sei. "Sturms Anwalt hat da eine Lücke, einen Formfehler, gefunden und ihm den Kopf aus der Schlinge gezogen", so Pütz.

Interessant: Bei Sturms Anwalt handelt es sich um Pat English. Der Amerikaner vertritt auch Manuel Charr. Nach dem Doping-Befund des Schwergewichtlers hatte English wie schon bei Sturm Verfahrensfehler angeprangert und gefordert, das Ergebnis zu streichen.

Sturm selbst hatte Ende 2016 via Instagram mitgeteilt, sein Anwalt habe von den Ermittlern alle Dokumente zu seiner Probe angefordert. Allerdings habe die letzte Seite gefehlt, "wo drin steht, wann meine Probe im Labor angekommen ist, wer sie entgegen genommen hat und wer die Probe analysiert hat". Die WBA sperrte Sturm daraufhin nicht. "Der BDB hat sich dem dann angeschlossen", erklärte Pütz.

Box-Präsident Thomas Pütz: "Doping muss unter staatliche Kontrolle"

FRANKFURT AM MAIN, GERMANY - MAY 08:  Fedor Chudinov of Russia (L) and Felix Sturm of Germany pose during their official weigh-in ahead of their WBA super middleweight World Championship fight at Roomers Hotel on May 8, 2015 in Frankfurt am Main, Ger
Gegen den Russen Fedor Chudinov gewann Felix Sturm 2016 den WBA-Titel im Supermittelgewicht © Bongarts/Getty Images, Bongarts

Den Anklagepunkt der gefährlichen Körperverletzung hält Pütz "für sehr weit hergeholt". Es sei zwar "gut, dass man solche Sachen strafrechtlich verfolgt". Die Beweisführung werde aber sehr schwierig. "Vorsatz wird Sturm nur ganz schwer nachzuweisen sein", ist der BDB-Chef sicher. Pütz fordert, Dopingkontrollen komplett in staatliche Hand zu legen. "Doping ist ein Straftatbestand, also muss es vom Staat verfolgt werden und nicht von Privatorganisationen, wie es ja auch die Nationale Anti-Doping Agentur ist."

Laut der Anklageschrift der Kölner Staatsanaltschaft habe Chudinov den Kampf gegen Sturm unter der Voraussetzung bestritten, es bestehe Chancengleichheit. Wenn ein gedopter Boxer im Ring stehe und dem Gegner Schaden zufüge, bestünde der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur lobte das Vorgehen der Kölner Staatsanwälte. "Wir haben den Fall 2017 selbst zur Anzeige gebracht. Es liegt doch nahe, dass endlich geprüft wird, ob in so einem Fall eine gefährliche Körperverletzung vorliegt", sagte NADA-Justiziar und Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer dem SID.

Sturm droht Gefängnisstrafe

Ein Sprecher des Kölner Landesgerichts sagte der Sport Bild, man habe dem Ex-Boxer die Anklage der Staatsanwaltschaft zugestellt. Sturm habe "nun die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben. Danach entscheidet die Kammer, ob und mit welchen Anklagepunkten das Hauptverfahren eröffnet wird."

Im Falle einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung droht Sturm eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Bei Selbstdoping reicht das Strafmaß von Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsentzug. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird frühestens im Laufe des kommenden Jahres gerechnet.

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