Boxen: Deontay Wilder verteidigt WBC-Titel - umstrittenes Unentschieden gegen Tyson Fury

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2. Dezember 2018 - 10:40 Uhr

Wilder verteidigt WBC-Gürtel

Als das Urteil verkündet wurde, schlug sich Tyson Fury die Hände vor das Gesicht. Hinter ihm lag eine Ringschlacht über 12 Runden mit Deontay Wilder. Der britische Klitschko-Schreck hatte den Kampf der Giganten in Los Angeles dominiert, doch Wilder rettete sich durch zwei Niederschläge zu einem umstrittenen Unentschieden. Dadurch verteidigte der Amerikaner seinen Weltmeister-Titel des WBC im Schwergewicht.

Britische Presse schrieb von Skandalurteil

Boxing - Deontay Wilder v Tyson Fury - WBC World Heavyweight Title - Staples Centre, Los Angeles, United States - December 1, 2018  Tyson Fury reacts after the fight  Action Images via Reuters/Andrew Couldridge
Tyson Fury schlug nach der Verkündung des Urteils die Hände vor dem Gesicht zusammen
© Action Images via Reuters, ANDREW COULDRIDGE, gb

Ein Kampfrichter sah Wilder mit 115:111 vorne, einer wertete 114:110 für Fury, einer sah ein 113:113-Patt. Wilder blieb damit auch im 41. Profikampf unbesiegt. Erst zum zweiten Mal musste er über alle Runden gehen, 39 Kämpfe zuvor hatte er durch Knock-out gewonnen. Ex-Weltmeister Fury bleibt in 28 Profikämpfen ebenfalls unbesiegt.

Die britische Presse schrieb von einem Skandalurteil, denn Fury war der bessere Boxer gewesen. Er tänzelte, machte Mätzchen, spielte seine Größenvorteile aus und ließ den "Bronze Bomber" ein ums andere Mal ins Leere schlagen. Dazu zeigte er einige gelungene Kombinationen. Eine wilde Schlacht, wie beide vollmundig angekündigt hatten, wurde es aber nicht. Dennoch boten beide eine gute Show. Der Kampf war zu jeder Zeit spannend, weil Wilder wegen seiner enormen Schlaghärte jederzeit den K.o.-Schlag in petto hatte.

Beide sahen sich als Sieger

dpatopbilder - 01.12.2018, USA, Los Angeles: Boxen: Profis - WBC-WM Schwergewicht Wilder (USA) - Fury (Großbritannien) im Staples Center. Tyson Fury liegt in der zwölften Runde niedergeschlagen am Boden während der Ringrichter ihn anzählt. Foto: Gene
Ein seltenes Bild: Der "Gypsy King" liegt am Boden
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Wenn der 33-Jährige mit seinen Schlägen durchkam, klingelte es bei Fury. In der 9. Runde mit einem rechten Haken und in der 12. Runde mit einem linken Haken schickte er den "Gypsy King" zu Boden, beide Male musste Fury angezählt werden. "Ich habe seine Augen rollen gesehen. Da dachte ich, es ist vorbei", sagte Wilder: "Wir beide sind große Kämpfer und haben unser ganzes Herz gegeben. Aber ich denke, dass ich den Fight durch die beiden Niederschläge gewonnen habe." Fury sah dies anders: "Ich bin zwar zweimal niedergeschlagen worden, aber ich glaube trotzdem, dass ich gewonnen habe."

Das sahen auch einige Beobachter am Ring so. Mit dem Urteil sei "das größte Comeback der Sportgeschichte ruiniert" worden, wüteten sie. Für den Briten ist das WM-Comeback drei Jahre nach dem Titelgewinn gegen Wladimir Klitschko jedoch ein Erfolg. Drogenmissbrauch und Doping kosteten ihn Boxlizenz und WM-Titel (WBO, IBF, WBA-Super). Depressionen und Alkoholexzesse folgten und hätten ihn an den Rand des Selbstmords geführt, behauptete er später.

Wilder und Fury wollen Rückkampf

Auch die Experten zeigten sich über den Ausgang des Kampfes uneinig. Ex-Weltmeister George Foreman etwa sah Wilder im Vorteil, Lennox Lewis hingegen empfand Fury als verdienten Sieger. Noch im Ring kündigte dieser einen Rückkampf an. "Ich bin sicher, dass wir da eine großartige Show zeigen werden." Der 20 Kilogramm leichtere Amerikaner willigte ein: "Wo auch immer das Geld zu holen ist, ich bin dabei."

Nach dem Kampf gab Fury erneut den Showmaster. In dem gut gefüllten Presseraum stimmte er den Song "American Pie" an und das Auditorium sang mit.