Boxen: Das Duell Anthony Joshua vs. Wladimir Klitschko elektrisiert die Boxwelt

17. Dezember 2016 - 10:41 Uhr

Schnelle Hände, gute Beinarbeit und eine vernichtende Rechte: Anthony Joshua gilt im Schwergewichtsboxen als der kommende Mann. Der Olympiasieger von 2012 hat mit seinen 27 Jahren der Königsklasse schon seinen Stempel aufgedrückt und alle seine 18 Profikämpfe vorzeitig gewonnen. Am 29. April will der Brite das 'Denkmal' Wladimir Klitschko im Londoner Wembley-Stadion vor 90.000 Menschen vom Sockel stoßen.

"Wenn ich Wladimir schlagen will, muss ich ein höheres Level erreichen", sagte Joshua am Wochenende, nachdem er den US-Amerikaner Eric Molina in der dritten Runde durch Technischen K.o. 'entsorgt' hatte. Die gesunde Selbsteinschätzung und eine gewisse Unerschrockenheit gehören zu den Stärken von Anthony Oluwafemi Olaseni Joshua, der als Sohn nigerianischer Einwanderer zurzeit in England Box-Geschichte schreibt.

Joshua kennt Klitschko aus dem Eff-Eff. 2014 waren sich die beiden Modellathleten (je 1,98 m groß) im Ring schon einmal ganz nahe. Klitschko hatte Joshua vor seinem Kampf gegen Kubrat Pulew zum Sparring eingeladen. Der aufstrebende Engländer nahm dankend an, schaute sich die Tricks von 'Dr. Steelhammer' aus der Nähe an und könnte im April davon profitieren.

Beide respektieren sich. Klitschko wünschte sich Joshua sogar als Nachfolger, wohl in dem Glauben, nicht mehr gegen den 13 Jahre jüngeren Linksausleger antreten zu müssen. Doch seine Niederlage im November 2015 gegen Tyson Fury und dessen anschließender Rückzug brachten alles durcheinander. Jetzt heißt das Mega-Duell 2017: Klitschko vs. Joshua – der alte Maestro aller Klassen gegen den jungen Kronprinzen.

Joshua: "Wir sind alle Löwen"

Boxing Britain - Anthony Joshua v Eric Molina IBF World Heavyweight Title - Manchester Arena - 10/12/16 Anthony Joshua celebrates his win with Wladimir Klitschko Action Images via Reuters / Andrew Couldridge Livepic EDITORIAL USE ONLY.
Kronprinz vs. Altmeister - das Duell Anthony Joshua vs. Wladimir Klitschko elektrisiert die Boxwelt.
© REUTERS, Andrew Couldridge, jlee

Ähnlich wie Klitschko gilt Joshua als zurückhaltender Vertreter seiner Zunft. Als er in der Nacht zu Sonntag nach dem Sieg gegen Molina gefragt wurde, wie er denn diese Fokussierung aufs Boxen und die nötige Disziplin hinkriegen würde, ob er dazu Kokain und Heroin benötige, lächelte er nur und gab Einblicke in sein Leben: "Wir wurden von klein auf geschleift, gehetzt, es ging immer um Erfolg. Ich war lange Amateur, das waren alle Löwen, alle waren hungrig." Er habe jedoch früh erkannt, dass Geld oder teure Uhren nicht wichtig seien. "Es geht darum, fokussiert zu bleiben, seine Herkunft, seine Moral zu kennen, wofür du stehst, das ist mehr als nur Boxen. Das ist auch, warum ich mich schinden kann. Boxen ist ein Teil deiner Reise. Alles andere ist Bonus, glaub mir!", sagte Joshua.

Anders als sein Landsmann Fury, der den Sport mit seinen peinlichen Auftritten wieder in Verruf brachte, sieht sich Joshua - ähnlich wie Klitschko - als Botschafter seines Sports. "Wir sind alle Löwen, aber wir kommen als Boxer zusammen, um unseren Sport zu repräsentieren", betonte der Shooting-Star. Und selbst eine Niederlage würde ihn nicht aus der Bahn werfen. "Am Ende", so Joshua, "ist das ein Kampf wie jeder andere."