Dschungel-Keilerei 2.0?

Box-Champion Joshua plant zweiten 'Rumble in the Jungle'

FILE PHOTO: Anthony Joshua celebrates his victory over Andy Ruiz Jr
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06. Februar 2020 - 15:47 Uhr

Auf den Spuren Muhammad Alis

Rumble in the Jungle. Ali gegen Foreman. Ein Kampf, bei dem jeder Boxfan – ob 1974 schon geboren oder nicht – Gänsehaut bekommt. Mehr als 45 Jahre nach der Nacht von Kinshasa könnten im Kongo bald schon wieder die Fäuste fliegen. Denn: Schwergewichts-Weltmeister Anthony Joshua plant eine Neuauflage der legendären Dschungel-Keilerei.

Joshua will "Vermächtnis hinterlassen"

Joshuas Promoter Eddie Hearn bestätigte in einer Talkshow Pläne für einen zweiten Rumble in the Jungle. Das Original fand am 30. Oktober 1974 statt, damals hieß der Kongo offiziell noch nicht Demokratische Republik, sondern Zaire. Muhammad Ali entriss dem haushohen Favoriten George Foreman die Schwergewichts-Krone. K.o. in Runde 8. – eine der größten Sensationen der Boxgeschichte. 60.000 Afrikaner feierten im 'Stadion des 20. Mai' ihr Idol Ali. (Lesen Sie hier: vier Mythen über den Rumble in the Jungle, die Humbug sind).

"Das ist womöglich der berühmteste Boxring aller Zeiten", sagte Hearn. Er habe schon mit Vertetern der Demokratischen Republik gesprochen. "Der Kongo will das Stadion wieder instand setzen. Das ist besonders, das ist ein Vermächtnis. Das prägt eine Karriere." Und Joshua, so der Box-Strippenzieher, wolle ein "Vermächtnis im Sport hinterlassen".

Muhammad Ali (re.) gegen George Foreman (beide USA) - PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY (ARK1974102926)Muhammad Ali right against George Foreman both USA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY ARK1974102926
Der vielleicht berühmteste Kampf der Boxgeschichte: 1974 schlug Muhammad Ali George Foreman im Rumble in the Jungle k.o.
© imago/UPI Photo, imago sportfotodienst

Wie immer geht's ums Geld

Für den britischen Weltmeister wäre ein Kampf auf afrikanischem Boden auch eine Herzensangelegenheit. Joshua hat nigerianische Wurzeln, verbrachte als Kind sechs Monate in einem Internat in Nigeria. Immer wieder betont der 30-Jährige seine Verbundenheit zu Afrika.

Vermächtnisse und Herzenswünsche reichen im Profiboxen allerdings in den seltensten Fällen, um Traumkämpfe zu realisieren. Ein Preiskämpfer, so die alte Boxer-Weisheit, steigt nur in den Ring, wenn die Börse stimmt. Bei Ali und Foreman war das nicht anders.

1974 machte der rücksichtslose Diktator Mobutu den Geldkoffer auf und holte den WM-Fight zwischen Ali und Foreman nach Zaire. Starkstromfrisur-Träger Don King (nicht weniger rücksichtlos als Mobutu) organisierte den Rumble in the Jungle, die Rivalen kassierten die damalige Rekordbörse von fünf Millionen Dollar. Auch außerhalb des Rings ging die Post ab: Vor dem Kampf fanden Konzerte mit Musikgrößen wie Soul-Godfather James Brown statt. Mit anderen Worten: Das Gesamtpaket stimmte.

BERLIN - OCTOBER 11:  Don King, boxing promoter during the WBC World Heavyweight Championship fight between  Samuel Peter and Vitali Klitschko at the O2 World on October 11, 2008 in Berlin, Germany.  (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
Box-Zampano Don King (hier 2007 bei einem Klitschko-Kampf) organisierte den Rumble in the Jungle
© Bongarts/Getty Images, Bongarts

Promoter Hearn will expandieren

Mehr als vier Jahrzehnte später könnte es zum Revival kommen – und wieder spielt das Geld autoritärer Herrscher und Regierungen eine schwergewichtige Rolle. Zuletzt kämpfte Joshua in Saudi-Arabien, ein saudisches Konsortium hatte schlappe 100 Millionen Dollar bezahlt, um den Rückkampf des Briten gegen Andy Ruiz (Joshua siegte nach Punkten) nahe der Hauptstadt Riad auszutragen.

Hearn machte in einem Interview mit dem britischen TV-Sender iFL TV deutlich, dass sein Protegé auch künftig vermehrt außerhalb Großbritanniens kämpfen werde. In die Röhre gucken würden dann die englischen Boxfans, etwa, wenn ein möglicher Briten-Showdown zwischen Joshua und Tyson Fury nicht im Wembley-Stadion, sondern in der Wüste stattfände – oder eben im Dschungel.

Joshua muss als nächstes gegen Pulev ran

"Das Problem ist, dass die Regierung hierzulande (in Großbritannien, die Red.) anders als Nigeria, der Kongo, China, Katar oder Saudi Arabien, kein Geld in solche Mega-Events steckt", sagte Hearn. Nigeria oder Kongo – ein zweiter Rumble in the Jungle könnte demnach schon bald Wirklichkeit werden.

Zumindest seinen nächsten Kampf dürfte Joshua aber noch in Good Old England bestreiten. Der Weltmeister muss im Frühjahr sein IBF-Championat gegen Pflichtherausforderer Kubrat Pulev verteidigen. "Wir machen großartige Fortschritte und kommen einem Deal immer näher", sagte Hearn bei ESPN. Pulev hätte schon 2017 gegen Joshua boxen sollen, musste kurz vor dem vereinbarten Kampfdatum aber verletzungsbedingt absagen.​

Boxing - Anthony Joshua and Kubrat Pulev Press Conference - Cardiff, Britain - September 11, 2017   Anthony Joshua and Kubrat Pulev pose with promoter Eddie Hearn during the press conference    Action Images via Reuters/Andrew Couldridge
Anthony Joshua und Kubrat Pulev sollten schon 2017 gegeneinander boxen - im Hintergrund: Promoter Eddie Hearn
© Action Images via Reuters, ANDREW COULDRIDGE, gb

"Eddie, bitte mach den Kampf in Großbritannien"

Nach dem Willen Joshuas soll das Duell mit dem Bulgaren auf der Insel stattfinden. "Er sagt mir: 'Eddie, bitte mach den Kampf in Großbritannien.' Und das versuche ich auch", berichtete Hearn vom klaren Wunsch seines Klienten.

Pulev ist in Deutschland kein Unbekannter. Der Bulgare forderte 2014 in Hamburg den damaligen Schwergewichts-König Wladimir Klitschko heraus. In Runde 5 ging Pulev nach einem schweren linken Klitschko-Haken k.o., bis heute die einzige Niederlage in der Profikarriere der 'Kobra'.