Revanche in den Dünen

Boxen: Anthony Joshua nach Punktsieg über Andy Ruiz wieder Schwergewichts-Champion

© Getty Images, Bongarts, JCHAN

8. Dezember 2019 - 0:07 Uhr

Joshua erobert Schwergewichts-Krone zurück

Anthony Joshua ist wieder Schwergewichts-Weltmeister: Der 30-jährige Brite bezwang Titelverteidiger Andy Ruiz (USA) in Saudi-Arabien über 12 Runden klar nach Punkten und eroberte die WM-Gürtel der Verbände WBA, WBO und IBF zurück. Im Juni hatte Joshua die Titel in New York überraschend durch Technischen K.o. an Ruiz verloren.

Bei der als 'Kampf in den Dünen' titulierten Revanche nahe der saudischen Hauptstadt Riad nutzte Joshua (1,98 Meter/107,5 Kilo) seine Reichweitenvorteile, traf deutlich häufiger und feierte im 24. Profikampf den 23. Sieg. Der trotz seiner Masse schnelle Kombinations-Puncher Ruiz (1,88 Meter/128 Kilo) kam nur selten durch. Für den 30-Jährigen war es im 35. Duell als Preisboxer die zweite Niederlage.

Ruiz fordert drittes Duell

"Ich bin demütig in der Niederlage, ich bin demütig im Triumph", sagte Joshua nach dem Kampf mit euphorischer Stimme: "Ich habe die Kunst des Boxens gezeigt: Im Boxen geht es darum zu treffen und nicht getroffen zu werden." Die drei Punktrichter sahen das genauso: Sie werteten mit zweimal 118:110 und 119:109 einstimmig zugunsten des neuen Champions.

"Ich habe keine Ausreden. Er hat mich herumgeboxt. Ich will ein Rematch, dann werde ich in der besten Form meines Lebens sein", posaunte der entthronte Ruiz. Erstaunliche Töne: Der Amerikaner mit den mexikanischen Wurzeln war sieben Kilo schwerer in den Ring gestiegen als bei seinem Sensationssieg in New York, wirkte alles andere als topfit.

Joshua boxt clever aus der Distanz

Die erste Pointe erlebten die 15.000 Zuschauer schon vor dem ersten Gong: In der Wüste regnete es – zum Glück war der Ring in der aus dem Sand gestampften Arena in Diriyah überdacht. Trocken blieb Ruiz' Gesicht aber keine zweieinhalb Minuten: Mit einem rechten Cross fügte Joshua dem mexikanischen Box-Dickerchen, dessen Bauch wieder ordentlich wabbelte, schon in Runde 1 einen Cut über dem linken Auge zu.

Mit der langen linken Führhand den kleineren Ruiz auf Distanz halten – Joshuas Kampfplan ging in den folgenden Runden gut auf. Aus der Distanz traf 'AJ' zudem immer wieder mit der rechten Schlaghand. 'Destroyer' Ruiz kam, anders als beim ersten Kampf, kaum in den Infight oder in die Halbdistanz.

Von einem kurzen Schreckmoment Ende der vierten Runde abgesehen, diktierte Joshua in den mittleren Runden mit seinem Jab das Geschehen. Wurde es für den Engländer brenzlig, unterband Joshua den Schlagabtausch durch Klammern – eine Taktik, die einst auch Wladimir Klitschko zu seinen Gunsten einsetzte.

'AJ' leichtfüßig, Ruiz schwerfällig

Joshua wirkte wesentlich fitter und fokussierter als bei seinem Waterloo im Madison Square Garden. Fünf Kilo leichter, bewegte sich der Engländer wesentlich schneller und leichtfüßiger, bestimmte auch in den hinteren Runden das Gefecht – mit Ausnahme der 8. Runde, als Ruiz seinen Herausforderer mit einer Links-Rechts-Kombination durchschüttelte.

Insgesamt kam vom bekennenden Snickers-Fan aus Kalifornien aber zu wenig. Mit seinen 128 Kilo auf den Rippen tapste Ruiz schwerfällig hinter Joshua her, boxte zu eindimensional und schlug viel zu wenig, um auf den Punktzetteln etwas zu reißen.

Joshua blieb auf schnellen Beinen außerhalb von Ruiz' Treffer-Radar, punktete weiter mit seiner Linken und brachte den Sieg sicher über die Runden.

Superkampf gegen Wilder oder Fury winkt

​Der Bezwinger von Wladimir Klitschko hält damit wieder drei der vier anerkannten WM-Titel im Schwergewicht (WBA, WBO, IBF). WBC-Champion ist der amerikanische K.o.-Knipser Deontay Wilder, den mythischen "linearen" Titel trägt seit seinem Sieg über Klitschko im November 2015 Tyson Fury.

Fury und Wilder sollen im Februar 2020 zum zweiten Mal aufeinandertreffen. Der Gewinner des Duells könnte dann gegen Joshua den unumstrittenen Meister aller Klassen ermitteln.