22. Januar 1973 – Erster WM-Titel für die Box-Legende

George Foreman "zertrümmert“ Joe Frazier

George Foreman schickt Frazier auf die Bretter.
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22. Januar 2021 - 14:18 Uhr

Boxen: Foreman nutzt seine erste Chance auf großer Bühne

Die Boxwelt war Anfang der 70er-Jahre fasziniert vom jungen George Foreman. Der gebürtige Texaner hatte einen gewaltigen Punch und machte meist kurzen Prozess mit seinen Gegnern. Am 22. Januar 1973 bekam der damals 24-jährige Schwergewichtler seine erste WM-Chance – der Gegner: Joe Frazier. Eine Nummer zu groß für Foreman – prophezeiten Experten.

Underdog Foreman gegen Ali-Bezwinger

"Smokin' Joe" (Volldampf-Joe) Frazier war seit drei Jahren Weltmeister. Er wurde Champion in einer Zeit, als Muhammad Ali wegen Kriegsdienstverweigerung suspendiert und gesperrt worden war. Erst 1971 kam es zum Fight zwischen Frazier und der Box-Legende. Im "Kampf des Jahrhunderts" im New Yorker Madison Square Garden gewann Frazier einstimmig nach Punkten, verteidigte die Weltmeisterschaft und ließ seine Kritiker verstummen.

Joe Frazier war der klare Favorit, als er am 22. Januar 1973 in Kingston (Jamaika) in den Ring stieg. Der Zerstörer mit dem krachenden linken Haken war bis dahin in 29 Kämpfen unbesiegt geblieben.

Was sollte dem damals 29-jährigen Ali-Bezwinger schon passieren? "The Sunshine Showdown" nannten die Promoter das Aufeinandertreffen auf der Karibikinsel.

"The Sunshine Showdown"

Zuschauer und Experten trauten ihren Augen kaum. Herausforderer Foreman deckte Frazier mit einem Schlaghagel ein und prügelte den Weltmeister von Beginn an durch den Ring. In der ersten Runde schickte "Big George" Frazier gleich drei Mal auf die Bretter.

Foreman kannte auch danach keine Gnade, schlug den Champion insgesamt sechs Mal nieder. In der zweiten Runde endete der Kampf vorzeitig – der neue Weltmeister hieß George Foreman. Nie zuvor hatte ein Herausforderer einen Schwergewichts-Champion so brutal entmachtet.

Foreman von sich selbst überrascht

"Wenn ich sage, dass ich zuversichtlich war, dass ich Joe Frazier schlagen könnte, würde ich lügen", blickte Foreman auf den Kampf zurück. Doch "ich habe so hart trainiert wie nie zuvor, und ich hatte Rhythmus. Aber war ich zuversichtlich? Nein, war ich nicht. Ich hatte damals kein Selbstvertrauen."

Noch immer ist Foreman, der wie Frazier aus schwierigen sozialen Verhältnissen kam, davon beeindruckt, was sein Rivale einstecken konnte: "Die Leute reden oft darüber, wie Joe Frazier in diesem Kampf sechs Mal niedergeschlagen wurde. Aber das Erstaunliche ist, dass er sechs Mal aufgestanden ist. Ich habe so etwas noch nie gesehen." Als Ringrichter Arthur Mercante den ungleichen Kampf beendete, "war ich so froh, dass es vorbei war."

Entthront und spätes Comeback

Weltmeister war Foreman nur eineinhalb Jahre. 1974 verlor er im "Rumble in the Jungle" den Titel an Muhammad Ali. Nach zuvor 40 Siegen ging Foreman in der legendären Nacht in Kinshasa (Zaire) zum ersten Mal in seiner Karriere k.o. Danach gelang es ihm nicht, sich noch einmal an die Spitze zurück zu kämpfen. Das glückte "Big George" erst 20 Jahre später: 1994 im Alter von 45 Jahren wurde Foreman durch einen K.o.-Sieg gegen seinen Landsmann Michael Moorer ein zweites Mal Weltmeister.

RTL.de/sid