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Bottrop wehrt sich gegen giftigen Kohlenstaub einer Kokerei

Anwohnerin: "Ich habe Angst um meine Gesundheit"

Bottrop wehrt sich gegen giftigen Kohlenstaub

Anwohner wehren sich gegen giftigen Kohlenstaub Kokerei in Bottrop
01:18 min
Kokerei in Bottrop
Anwohner wehren sich gegen giftigen Kohlenstaub

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Im Video: Anwohner kämpfen im Alltag mit der Verschmutzung durch eine Kokerei

Seit Jahren weht krebserregender Kohlenstaub einer Kokerei auf die Grundstücke der Anwohner im nordrhein-westfälischen Bottrop. Die Stadt steht schon lange in Kontakt mit den Betreibern. Doch alle politischen Maßnahmen liefen ins Leere. Jetzt wehren sich 200 Nachbarn mit einer Sammelklage. "Wir werden legalisiert vergiftet", erzählen Beate und Andreas, die in der Nähe der großen Kokerei leben. Die Anwohner sorgen sich um ihre eigene Gesundheit, aber müssen auch im Alltag mit vielen weiteren Folgen kämpfen. Wie groß diese sind, zeigen die Betroffenen im Video.

Kokerei in Bottrop stößt krebserregenden Kohlenstaub in die Luft

Die erlaubten Grenzwerte werden regelmäßig überschritten. Die Folge: Dächer und Terrassen der Anwohner sind mit einer dünnen, schwarzen Schicht bedeckt. "Wenn man sich morgens die Nase putzt, ist das Taschentuch schwarz", erzählt das besorgte Paar. Auf der Terrasse bildet sich jedes Mal ein schwarzer Film, beim Fensterputzen wird der Lappen sofort schwarz. Das sind nur einige der alltäglichen Probleme, die Anwohner in Bottrop wegen der Kokerei haben. "Dieser Rauch enthält krebserregende Stoffe, und ich habe Angst um meine Gesundheit", sagt Beate Krzykawski.

Für Gemüse aus den umliegenden Gärten gibt es ein Verzehrverbot. Aufgrund dieser Werte hat die Stadt Bottrop eine Verzichtsempfehlung für Blattgemüse aus dem eigenen Garten ausgesprochen. Andreas und Beate haben daraufhin ihren kompletten Gemüsegarten dem Erdboden gleich gemacht. "Selbst die Vögel gehen nicht an unsere Obstbäume", erklärt der 51-jährige.

Forderung: Zulässige Grenzwerte sollen eingehalten werden

Eine Bürgerinitiative kämpft schon seit Jahren für Besserung. Die Forderung: Die zulässigen Grenzwerte sollen eingehalten werden. "Der Zielwert liegt bei einem Nanogramm pro Kubikmeter Luft. Im Jahr 2019 lag er bei 2,3", erklärt der Anwalt der Bürgerinitiative. Der Staub enthält giftige Substanzen, wie z. B. Benzo(a)pyren. "Das ist eine sehr kritische Substanz. Sie hat die Fähigkeit, in unsere Zellen einzudringen, in die Mitochondrien, oder auch in den Zellkern. Dort kann sie zu heftigen Störungen führen, zu Fehlstörungen, die letztlich zu Allergien führen und am Ende dann zum Krebs", erklärt Umweltmediziner Klaus-Dietrich Runow.

Der Betreiber der Kokerei ist ein großer Stahlkonzern. Der Pressesprecher des Unternehmens erklärt, dass es zum einen durch die veränderten Wetterbedingungen zum Anstieg der Werte käme und zum anderen durch die Undichtigkeit der Öfen, besonders an den Türen. "Bei den Werten sind wir guter Dinge, dass wir hier künftig wieder die Zielwerte einhalten. Das ist in den letzten beiden Jahren, insbesondere nicht gelungen. Wir haben aber eine ganze Reihe von Investitionen umgesetzt, ein ganzes Maßnahmenpaket, mit dem wir auch seit Anfang des Jahres deutlich verbesserte Emissionswerte sehen", so Arne Langner im RTL-Interview.

Die Bezirksregierung in NRW überwacht die Kokerei und fordert unmittelbare Maßnahmen. Doch den Anwohnern geht das nicht schnell genug. Knapp 200 Anwohner haben sich zusammengeschlossen und planen eine Sammelklage. "Die Lebensqualität ist deutlich einschränkt und die Belastung muss reduziert werden", erklärt ihr Anwalt. Täglich wollen sich mehr Anwohner an der Klage beteiligen - im Kampf gegen den giftigen Kohlenstaub und für ihre Gesundheit.